Was passiert, wenn ich Covid-19 habe?

  • Quelle: https://alias-podcast.de/2020/…t-wenn-ich-covid-19-habe/

  • Ein paar Anmerkungen :)


    Zuallererst: wenn Jenni betont, dass dieser Vorsitzende von der Bundesärztekammer ja nicht mal praktizierender Arzt sei, hebt sie die Diskussion IMHO schon auf eine völlig falsche Ebene.


    Man muss sich in diesem Kontext immer wieder klar machen, dass Ärzte eben erstmal keine Wissenschaftler sind! Ein normales Medizinstudium qualifiziert einen leider nicht mal ansatzweise für wissenschaftliches Arbeiten und das Bewerten von wissenschaftlicher Arbeit.

    Die Meinung eines Arztes zur Aussagekraft und Qualität von Studien ist pauschal so sinnvoll, wie einem Windradingenieur ein paar Klimamodelle zum Gegenrechnen zu geben.


    Und natürlich kann man auch als Mediziner in die Forschung gehen – das hat allerdings nicht mehr viel mit einer klassischen Arztlaufbahn zu tun und erfordert einiges an Aufwand und Eigeninitiative (die Studenten hier sind teilweise schon sehr am struggeln).

    Aber eine Zulassung als Arzt oder ein "Dr." med. sagen halt nichts über irgendeine wissenschaftliche Expertise aus – deshalb müsste die Frage nicht sein: "Praktiziert der?", sondern eher: "Was hat der denn schon veröffentlicht?" oder "Woran hat der denn schon geforscht?".


    ———————


    Zweitens: Wie Stefan gesagt hat schon gesagt hat – Viren als tot zu bezeichnen greift viel zu kurz.

    Worauf man sich definitiv einigen kann ist, dass Viren sehr untypisch sind, weil sie keinen eigenen Stoffwechsel besitzen – dass sie deshalb aber "tot" sind greift in der Praxis halt auch zu kurz. Viren verfügen über Evolution, können sich reproduzieren etc.


    Es verschwimmt halt alles – auch Parasiten haben je nach Definition keinen eigenen Stoffwechsel, sondern sind auf den Stoffwechsel eines Wirts angewiesen. Und umgekehrt kann man sagen, dass auch Viren einen neuen Stoffwechsel erzeugen, sobald sie bspw. eine Zelle befallen – insbesondere, da wir inzwischen Viren kennen, die eigene Reproduktionsmechanismen enkodieren.

    Bspw. implementiert das Megavirus (ja, das heißt wirklich so) eigene DNA-Replikationsmechanismen und baut wirklich einen eigenen Stoffwechsel auf und umgeht damit den Zellkern des Wirts.


    Kann man sich herrlich drüber streiten und in Definitionen verlieren; aber ich würde sagen, meine Fraktion macht derzeit gut Land – und selbst die "Viren sind tot"-Fraktion gesteht ein, dass dieser Claim wohl zu simpel ist 😁.

  • Ein normales Medizinstudium qualifiziert einen leider nicht mal ansatzweise für wissenschaftliches Arbeiten und das Bewerten von wissenschaftlicher Arbeit. Die Meinung eines Arztes zur Aussagekraft und Qualität von Studien ist pauschal so sinnvoll, wie einem Windradingenieur ein paar Klimamodelle zum Gegenrechnen zu geben.

    Mir erscheint eine pauschale Aussage an dieser Stelle als nicht besonders zielführend. Warum sollte ein Windrad-Ingenieur bei entsprechender Vorbildung nicht ein Klimamodell auf Plausibilität prüfen können?


    Mal ganz abgesehen davon, dass dieser Vergleich an sich schon unsinnig ist: Klimamodelle sind zu komplex, um sie mal eben schnell „gegenzurechnen“.


    Und natürlich kann ein Mediziner eine wissenschaftliche Studie bewerten, warum denn nicht? Er kann das, etwas Sorgfalt und gewisse Vorkenntnisse vorausgesetzt, ebenso gut und mit gleichem Recht wie beispielsweise ein Virologe eine Arbeit zur Epidemiologie bewerten kann.

  • Mir erscheint eine pauschale Aussage an dieser Stelle als nicht besonders zielführend. Warum sollte ein Windrad-Ingenieur bei entsprechender Vorbildung nicht ein Klimamodell auf Plausibilität prüfen können?

    Vielleicht habe ich das nicht sauber genug formuliert: Es geht um die Zuschreibung einer Qualifikation alleine qua Studium/Ausbildung/Beruf – natürlich kann man sich zusätzlich zu Ausbildung/Studium/etc. weiteres Wissen draufschaffen, das einen dann eben doch befähigt.


    Und natürlich kann ein Mediziner eine wissenschaftliche Studie bewerten, warum denn nicht?

    Weil wissenschaftliches Arbeiten im gesamten Medizinstudium de-facto keine Rolle spielt. Viele Mediziner hatten nicht mal eine Stunde Statistik, geschweige denn irgendwelche Grundlagen zu wissenschaftlicher Methodik, Studiendesign etc.

    Du kommst selbst heute noch problemlos durchs Studium, ohne wissen zu müssen, was "Doppelblind" heißt und warum das wichtig sein könnte. Oder dass wissenschaftliche Theorien nur falsifiziert und nicht verifiziert werden können… usw. usf.


    (Fairerweise muss man jetzt auch anmerken, dass einige Unis inzwischen versuchen, das zumindest ein bisschen zu verbessern, aber das ist halt auch nicht leicht. Medizin ist jetzt auch nicht unbedingt gerade ein anspruchsloser Studiengang, in dem noch so viel Platz für weitere Module wäre.)


    […] ebenso gut und mit gleichem Recht wie beispielsweise ein Virologe eine Arbeit zur Epidemiologie bewerten kann.

    Naja nein… Als Virologe hattest du eben eine wissenschaftlich-forschungsorientierte Laufbahn und Ausbildung und arbeitest als Naturwissenschaftler. Du hattest Statistik, hast selber in AGs geforscht und kennst wissenschaftliche Methodik. Du hast an Papern mitgearbeitet, weißt um übliche Fallstricke im Studiendesign und hast auch selber schon Studien mitentworfen usw.

    D.h. als Virologe hast ein vollkommen anderes Handwerkszeug um andere wissenschaftliche Arbeiten zu beurteilen; gerade aus dem medizinischen Bereich.


    tl;dr: Ich will hier überhaupt keine Mediziner bashen. Ich will eigentlich nur darauf, dass das Medizinstudium eine vollkommen andere, viel anwendungsorientiertere und forschungsfernere Ausrichtung hat – was ja an sich auch nicht verwunderlich oder unbedingt schlecht ist; das Ziel am Ende des Studiums ist einfach ein anderes.
    Und dass halt das Kriterium: "Der ist Arzt" alleine nichts darüber aussagt, ob die Person naturwissenschaftliche Forschung bewerten und einordnen kann.

  • tl;dr: Ich will hier überhaupt keine Mediziner bashen. Ich will eigentlich nur darauf, dass das Medizinstudium eine vollkommen andere, viel anwendungsorientiertere und forschungsfernere Ausrichtung hat – was ja an sich auch nicht verwunderlich oder unbedingt schlecht ist; das Ziel am Ende des Studiums ist einfach ein anderes.

    Und dass halt das Kriterium: "Der ist Arzt" alleine nichts darüber aussagt, ob die Person naturwissenschaftliche Forschung bewerten und einordnen kann.

    Mit der Betonung auf „alleine“ gehe ich d‘accord. Nun hat aber jeder von uns, „sogar“ ein Mediziner, die Möglichkeit, sein in Schule und Studium erworbenes Wissen zu erweitern. Nie war das leichter als heute - das sage ich als Bürger von Wikihausen... ;)


    Und wir reden hier ja nicht über das Erstellen, sondern über das Beurteilen von wissenschaftlichen Arbeiten. Der Versuch der Experten, diese Fähigkeit allen anderen abzusprechen, ist ja durchaus nachvollziehbar. Man will sich unangreifbar machen, aber stolpert über diesen move spätestens dann, wenn sich bei komplexen Themen die Experten selbst uneins sind.


    Du hast Ahnung von Virologie? Was denkst du über den „schwedischen Weg“? Mir scheint, die Wikinger können den Winter um einiges lockerer angehen als wir hier...

  • Nun kenne ich den Kontext von Jennis Äußerung.

    Ein paar Anmerkungen :)


    Zuallererst: wenn Jenni betont, dass dieser Vorsitzende von der Bundesärztekammer ja nicht mal praktizierender Arzt sei, hebt sie die Diskussion IMHO schon auf eine völlig falsche Ebene.


    Es ging um den Auftritt des Bundesärztkammer-Präsidenten bei Lanz:


    Reinhardt äußerte sich in der ZDF-Talkshow Markus Lanz kritisch zur alltäglichen Maskenpflicht während der COVID-19-Pandemie und verglich diese mit einem „Vermummungsgebot“. Er behauptete über Alltagsmasken, dass es „keine wissenschaftliche Evidenz für deren Wirksamkeit [gebe]“. Als der Moderator Markus Lanz nachfragte „Ernsthaft?“, antwortete er, „[d]as [sei] [s]eine persönliche Auffassung, zu der [gebe] es auch wissenschaftliche Studien.“ Er möchte sich jedoch „auf gar keinen Fall in diesen Maskenkrieg einmischen“.[6] Für seine Äußerungen bekam er starken Widerspruch aus seinen eigenen Reihen wie zum Beispiel von Karl Lauterbach und Susanne Johna (Vorsitzende des Marburger Bunds). Zwei Tage nach der Sendung äußerte er Bedauern über seine Äußerungen und erklärte: „Die aktuelle Evidenz aus vielfältigen Studien spricht für einen Nutzen des Mund-Nasen-Schutzes.“[7]


    Das Bemerkenswerte an diesem Vorgang ist nicht, dass ein erfahrener Mediziner eine dezidierte Meinung zu den sogenannten "Alltagsmasken" hat. Bemerkenswert und auch ein bisschen bedenklich ist, dass er diese Meinung - offenbar unter dem Druck der Öffentlichkeit - nach wenigen Tagen fallen lässt.


    Aber wenn eine breite Mehrheit diese Masken für sinnvoll hält, zumindest seitdem diese in großen Mengen verfügbar sind, dann wird das schon seine Richtigkeit haben. Außer man fährt U-Bahn in Schweden:


    https://mobile.twitter.com/Car…tatus/1317071809389395968


    Dort ist wie's aussieht aktuell alles anders.

  • Bin ja oft auch nicht einer meinung mit Stefan, aber Jennys ausfälle beim thema "handys am arbeitsplatz" oder "Luisa Neubauer" find ich jetzt eher peinlich.

    Ich hab schon interviews/pressekonferenzen mit andren FFF leuten gesehen, Luisa Neubauer spielt aber medial gesehen in einer anderen liga. Und genau das braucht es für eine starke öffentlichkeitswirksamkeit jenseits der eigenen sympathisanten. Und da ist es sowas von egal ob jemand einen "beraterstab" hat, oder nicht. Und gerade die "unprofessionalitat" ist meistens das manko von NGOs oder "kleinen bewegungen" im vergleich zu professionellen lobbyisten.

    Bis dato sehe ich weder bei Greta, FFF oder XR irgendwie einen hauch von radikalität, warum ausgerechnet ihr das nun vorwerfen? Und selbst wenn, bin ich mir sicher, wird das geselschaftlich keinen unterschied machen.

    Nach 20 jahren beobachten des klimathemas und der geselschaftlichen reaktionen darauf, bin ich mir sicher, egal ob mit oder ohne Luisa Neubauer, verkacken werden wir das.

    Und in deutschland sehe ich aktuell keine einzelperson jenseits von Greta oder Luisa die den klimawandel so in den "mainstream" transportiert haben.

  • Söder ist die Reinkarnation des Horst "Wendehals" Seehofer. Heute ist er für dies, morgen für das. Den "Pragmatismus", für den er gelobt wird, kann man sich in die Haare schmieren im Zuge der Klimadebatte, denn sobald die Bayern mitbekommen, dass nicht nur Fördergelder damit einhergehen, sondern auch Verzicht und Kosten, werden die Meinungsumfragen unseren lieben Markus wieder umschwenken lassen zu einer anderen Politik.

    Mehr als ein Feigenblatt ist die "grüne Söderei" nicht.