Der Musik-Thread (Tipps, Diskussionen & Co.)

  • Ghettoblaster sind übrigens out. Man hat jetzt ein Smartphone und so kleine Bluetooth-Lautsprecher. Lymi ;)



    Das Album ist jetzt komplett raus. Endlich, die saßen ein ganzes Jahr darauf rum. Corona...


  • Zu krank für Rock’n’Roll


    Eine Polemik



    1976 schrieb Ian Anderson für seine Band Jethro Tull einen Song über einen alternden Rock’n’Roller, der mit seiner immer spießiger und langweiliger werdenden Umgebung nicht klarkommt. Seine ehemaligen Kumpels sind verheiratet, haben Kinder, treffen sich Sonntags im Tennis-Club und gehen Montags brav zur Arbeit. Diese Typen sind zu alt für Rock’n’Roll, aber zu jung zum Sterben. Der Protagonist des Songs will so nicht werden, also holt er sein Motorrad raus für eine letzte Fahrt und mit 120 Sachen nimmt die Auffahrt zur Fernstraße, viel zu schnell um noch zu bremsen. Das Lied endet mit einer Abwandlung des Refrains: Man sei nie zu alt für Rock’n’Roll, solange man noch zu jung ist zum Sterben. Aber das war vor fast 50 Jahren, heute ist alles anders:

    Man braucht jetzt ein Gesundheitszeugnis, um in einen Musik-Club rein zu dürfen (1).

    Die Lizenz zum Rocken ist der Impfnachweis. Eine Welt, die so was macht, ist zu krank für Rock’n’Roll. Die ist im Kopf so alt, sie kann sich gleich begraben.

    Den einzigen Auftritt während „Corona“ hatte ich im August 2020 unter den damals geltenden „Hygieneregeln“: Der Gig fand im Freien statt und man musste, sobald man seinen Sitzplatz verließ, einen Mundschutz tragen. Ich fand das damals schon affig, denn es war Sommer und niemand war krank, wen sollte man da anstecken? Aber okay, dieses eine Jahr machen wir das mit, dann kommen die Leute zur Besinnung und alles wird wieder normal, so dachte ich. Denkste, es wurde alles noch viel schlimmer:

    Heute verlangen sie einen Gesundheits-Check, um eine Bühne betreten zu dürfen.

    1968 brach die Honkong-Grippe aus, eine mit Corona vergleichbare Epidemie. Hätte man damals so reagiert wie heute, dann hätte es kein Woodstock gegeben. Nicht auszudenken, was es vermutlich darüber hinaus noch nicht gegeben hätte! Vielleicht hätten Jimi Hendrix, Janis Joplin und Jim Morrison ein paar Jahre länger gelebt, wenn sie mehr „Social Distancing“ betrieben hätten. Aber hätten sie ihre Kreativität entfalten können und überhaupt, was wäre aus der Rockmusik geworden mit Live-Gigs unter „Corona“- (respektive Hongkong-Grippe-) gemäßen Bedingungen? Mit Abstandsregeln und Maske, Zutritt nur für Geimpfte oder einem frischen Test? Sex and Drugs and Rock’n’Roll – aber nur mit gültigem Impfnachweis?

    Zum Glück war die Menschheit damals nicht so verrückt wie heute. Die Honkong-Grippe war nach 1969 vorüber, ihr Erreger H3N2 reihte sich ein in die üblichen saisonalen Grippeviren. Sie geriet ebenso in Vergessenheit wie gut zehn Jahre zuvor die Asiatische Grippe - oder wie zuletzt die ebenfalls relativ schwere Grippewelle von 2018. Woodstock aber bleibt unvergessen, die Musik, die mich und mein Leben geprägt hat, konnte sich frei entfalten.



    „Rock’n’Roll is here to stay“ sang Neil Young ein paar Jahre später und bis 2020 hatte ich daran nicht den geringsten Zweifel – heute bin ich mir nicht sicher, ob das noch stimmt. Wie gesagt, diese Gesellschaft ist zu krank für Rock’n’Roll. Gar nicht wegen dieses Virus, das für die allermeisten Konzertbesucher höchstens eine Grippe macht, sich jedenfalls einreiht unter die anderen Risiken, die das Leben so mit sich bringt (2). Aber ernsthaft krank ist sie in den Köpfen. Wer vom Gedanken besessen ist, der Nebenmann sei eine potentiell tödliche Virenschleuder, der wird nie wieder Spaß haben an Konzerten, die ihn mit Hunderten oder Tausenden anderen Menschen zusammenbringen. Da hilft auch keine Impfung, die nächste Mutante ist vielleicht schon da. Und hat da nicht eben einer gehustet...?


    Gestern hat das Bundesland Niedersachsen laut darüber nachgedacht, die Vorschriften zum Tragen einer Schutzmaske beim Einkaufen zu lockern. Nach Protesten, die auch aus der Bevölkerung laut wurden - auf Twitter "trendete" der Hastag #diemaskebleibtauf - wurden diese Überlegungen wieder fallengelassen. Die Bundesregierung ist auch dagegen.


    Dieses Land ist zu krank für alles.


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    Der Autor im Sommer des Grippejahres 2018 - ungetestet, unmaskiert und ungeimpft.


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    Links:


    (1) https://colos-saal.de/latest-n…ws-konzept-reglement.html


    Anmerkung: Auch wenn hier stellvertretend der Colos-Saal verlinkt ist: Die Regeln kommen aus der Politik und wir verantworten sie mit, indem wir uns nicht dagegen wehren. Die Clubs, die ums Überleben kämpfen, können da am allerwenigsten was dafür.


    (2) Etwas Statistik: https://mazemusic.de/?p=372

  • Wann gibt's denn die Statistik, wie viel Rock und Pop an den Maßnahmen gestorben ist?

  • Lymi

    Gute Frage. Meine persönliche Statistik, was Live-Events angeht (aktiv und passiv), sieht in 2021 bislang so aus: 100 Prozent Verlust.


    Von offiziell erhobenen Statistiken ist mir nichts bekannt. Allerdings auch nichts von Tourneen, die irgendwo stattfinden. Na ja, manche fangen jetzt wieder an: 75 anwesende Zuschauer plus ein Streaming-Angebot, siehe Link oben.


    Das Verrückte ist, dass die Regeln strenger sind als im letzten Jahr, obwohl die propagierten Voraussetzungen für eine Rückkehr zur Normalität (Durchimpfung der Risikogruppen) viel besser sind.

  • Ja, der Link war schlimm. So ein Rockkonzert ist kein Vergnügen.

  • Mann ohne Gesicht



    Musste letzte Woche beruflich nach Spanien, dort sind Masken obligatorisch, überall. Männer ohne Gesichter - es ist sehr befremdlich, neue Kontakte zu knüpfen, die gesichtslos bleiben. Man kann einen Kaffee zusammen trinken, dann fällt die Maske, aber nicht immer ist dazu die Zeit.

  • Dead to Me Now



    Für den Sänger der Band „Spit like this“ ging‘s mit dem Tod dann doch ein bisschen schneller als gedacht. Ein topfitter 48-Jähriger, so beschreibt ihn seine Verlobte. Hätte er mal besser Abstand zur Nadel gehalten. Der alte Song von Neil Young bekommt so eine ganz neue Bedeutung.



    Ach ja, fast vergessen: Es war der Stoff von AstraZeneca in der Nadel drin.



    Bei uns hier, in dem Drecksnest wo ich arbeite, machen sie am nächsten Wochenende eine große Impfaktion. Ratet mal, was es da gibt...