Demokratie vs Demoskopie

  • In einer Bedburger Pflegeeinrichtung sind 21 Senioren und zwei Mitarbeiter an Corona erkrankt. Laut dem Kreis waren alle von ihnen Ende Dezember gegen das Virus geimpft worden.

    Die für einen vollständigen Corona-Schutz notwendige zweite Impfung habe noch gefehlt, heißt es.


    Wenn das mal gutgeht:

    Bayern ändert sein Vorgehen, um bei der Corona-Impfung schneller vorwärts zu kommen.


    Künftig soll beim Biontech-Impfstoff - bis auf eine gewisse Reserve - nicht mehr für jeden Erstgeimpften die Dosis für die nötige zweite Impfung zurückgelegt werden. "Das Ziel ist, möglichst schnell möglichst viel zu impfen, und da wollen wir alle Chancen nutzen", sagte Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur [...].

  • Wenn man schon unbedingt Ärzte zum Impfen einsetzen muss, sollte man annehmen, dass zumindest aufgeklärt wird.

    Über was?

    Der Arzt so: sei'n se erst mal noch vorsichtig, erst mal 2. Impfung abwarten.

    Patient/ Pfleger : wird schon reichen, zumindest so, daß es mir bei einer Erkrankung nicht sooo schlecht geht. ( Freiiii- heiiiiit!! Hosianna!! Jetzt erst mal ordentlich einen draufmachen und mit der Impfung strunxen)

    So weit so offensichtlich.

    Aber so was kommt halt dabei raus, wenn die Impfung als Messias dargestellt wird und ansonsten nur alles verboten wird und man die Leute aber so gar nix selbst entscheiden läßt.

  • NIEMAND ist eine potenzielle Virusschleuder. Und NIEMAND kann etwas dafür, wenn er im Winter krank wird. Ist das klar?


    Dass das gegenteilige Narrativ von allen möglichen Leuten zu irgendwas benutzt wird, zum Beispiel um andere Leute anzuschwärzen oder um politische Ziele durchzusetzen, das war erwartbar. Aber wir dürfen uns darauf nicht einlassen, sonst sind wir echt am Arsch. Alle zusammen.

    Das Thema sind nicht Menschen die im Winter krank werden, du kleiner de-railing Schlingel.


    Das Thema ist Absicht und Fahrlässigkeit. Das Thema ist der Habitus, der durchaus mit der politischen Einstellung korreliert.


    Das Thema sind Menschen die jetzt noch ohne Maske als Pulk bei Kretschmer klingeln und rumbrüllen (und sich irgendwann Reichsflaggen-Masken anziehen) , Silvester Partys in Privaträumlichkeiten aufs Dorf verlegen, weil geringere Polizeipräsenz. Die das Maskentragen aufs Minimum beschränken, weil unangenehme Regel oder Statistik die sie nicht verstehen, die Weihnachten und an den Adventswochenenden rumgegondelt sind, als gäbs kein Morgen (sächsische Mobilitätsstatistik) usw. Usf. Die Hygienedemos waren zahlenmäßig v.a. In Ostdeutschland, genau wie schon bei Pegida und das ist prozentual ein Spiegelbild der Gesellschaft hier.


    Für jemanden wie dich, der nicht an die Mensch zu Mensch übertragung glaubt (Umkehrschluss von deiner Haltung, dass Übertragungsraten nicht aufgrund Verhaltensänderung, Absenkung von menschlicben Kontakten sinken) ist das natürlich weiterhin ohne Zusammenhang.


    Aber vermutlich kannst du dir auch nicht vorstellen, dass die x-hundert Angriffe auf Flüchtlingsheime in Ostdeutschland was mit der viel höheren Anzahl an Menschen mit rechtsaußenkonservativer und rassistischer Grundhaltung zu tun hat. Unterstützt noch durch den Habitus(!) der Bevölkerung die nur rechts wählen, nicht handeln, dafür aber sich so und so verhalten.

  • Über was?

    Der Arzt so: sei'n se erst mal noch vorsichtig, erst mal 2. Impfung abwarten.

    Patient/ Pfleger : wird schon reichen, zumindest so, daß es mir bei einer Erkrankung nicht sooo schlecht geht. ( Freiiii- heiiiiit!! Hosianna!! Jetzt erst mal ordentlich einen draufmachen und mit der Impfung strunxen)

    So weit so offensichtlich.

    Aber so was kommt halt dabei raus, wenn die Impfung als Messias dargestellt wird und ansonsten nur alles verboten wird und man die Leute aber so gar nix selbst entscheiden läßt.

    Stimmt zwar, aber die Pflegeeinrichtung sollte bis zur 2. Impfung das Schutzkonzept aufrechterhalten. Und wenn das so war, dann wäre es jetzt auch nicht die erste Einrichtung, wo es passiert. Gabs ja vorher auch schon.

  • Stimmt zwar, aber die Pflegeeinrichtung sollte bis zur 2. Impfung das Schutzkonzept aufrechterhalten. Und wenn das so war, dann wäre es jetzt auch nicht die erste Einrichtung, wo es passiert. Gabs ja vorher auch schon.

    Die agieren nicht alle gleich . Sicher gibt's genug Häuser, die es aus Gründen nicht schaffen, ihre Kunden noch weiter hinzuhalten. Oder das Personal ist selber am Ende mit den Nerven durch den Corona - Stress. Oder sie lockern aus Mitleid. Oder bei Bewohnern brechen gerade alle Dämme, wegen der zu langen Einsamkeit. Oder, oder.

    Es wird sich aber wohl schnell rumsprechen, so daß wenigstens versucht werden kann, alle zum Durchhalten zu bewegen.

    Meine Prognose: das bleibt trotzdem nicht der letzte Ausbruch. Denn Vernunft hat ihre Grenzen.

  • Das Thema ist Absicht und Fahrlässigkeit. Das Thema ist der Habitus, der durchaus mit der politischen Einstellung korreliert.


    Das Thema sind Menschen die jetzt noch ohne Maske als Pulk bei Kretschmer klingeln und rumbrüllen (und sich irgendwann Reichsflaggen-Masken anziehen...

    Ist das so?

    Im Podcast war „das Thema“ (bzw. Anlass für eine Schuldzuweisung sowie für Hohn und Spott) jemand, der sich im Freien ohne Maske mit Journalisten unterhalten hat, aber nach eigenem Bekunden da vorsichtig ist, wo‘s drauf ankommt (aus dem Gedächtnis zitiert).


    ...Silvester Partys in Privaträumlichkeiten aufs Dorf verlegen, weil geringere Polizeipräsenz. Die das Maskentragen aufs Minimum beschränken, weil unangenehme Regel oder Statistik die sie nicht verstehen,

    Regeln müssen sinnvoll sein, ansonsten sind sie für‘n Arsch. Unsinnige Regeln erzeugen Gegenwehr. Wenn nicht offen (weil Strafe droht), dann versteckt.


    Für jemanden wie dich, der nicht an die Mensch zu Mensch übertragung glaubt (Umkehrschluss von deiner Haltung, dass Übertragungsraten nicht aufgrund Verhaltensänderung, Absenkung von menschlicben Kontakten sinken) ist das natürlich weiterhin ohne Zusammenhang.

    Natürlich finden Virusübertragungen von Mensch zu Mensch statt. Was ist das denn für eine idiotische Unterstellung?


    Allerdings scheinen die aktuell befohlenen Verhaltensänderungen nicht viel zu bringen. Ich habe neulich schon mal diskutiert (mit dir..?), dass es keine überzeugende Korrelation zwischen unterschiedlich harten Restriktionen in diversen Ländern und Übersterblichkeit gibt. Und was macht unsere Politik? Mehr Lockdown, die Rede ist jetzt vom „Mega-Lockdown“, den Merkel angeblich plant. Unterstützung dafür kommt von den üblichen Verdächtigen.


    Vielleicht haben wir ja wieder wie bei der ersten Welle Glück und eine der nächsten Lockdown-Verlängerungen fällt zusammen mit dem saisonalen Abklingen der Virus-Welle. Wenn sich das neuartige Corona-Virus verhält wie seine Verwandten, dann steht das bald bevor.


  • Marner

    Nennwert


    Vielleicht muss ich meine Vorstellung von der Übertragung einer viralen Atemwegserkrankung nochmal erläutern, sie scheint missverständlich zu sein. Ich wiederhole mich dabei garantiert - daher im Spoiler, um die Diskussion nicht zu stören.

  • Finde diese Erzählung über den Habitus der Ostdeutschen ziemlich problematisch. Wenn es niedrigere Inzidenzen als im Westen gäbe, könnte man resümieren, dass das wahrscheinlich an dem Duckmäuser- und Spitzelhabitus der Ostdeutschen läge...

    Ich arbeite in Thüringen, in einem Hotspot. Hier gab es keine Hygienedemo. Man kommt ohne Maske in keinen Supermarkt.

    Es könnte sein, dass Home-Officemöglichkeiten nicht so konsequent wahrgenommen werden, was am durchschnittlichen Alter der Beschäftigten liegen könnte. Es kann auch an einer bislang nicht identifizierten Virusvariante liegen. Es kann daran liegen, dass die Kitadichte höher ist als bspw. in BaWü.. Tatsächlich ist vieles möglich. Aber diese spalterische.... in meinen Augen auch hämische Diskussion ist nicht ganz ungefährlich. Der Winter ist noch sehr lang. Was sollen diese Schuldzuweisungen und Rückführungen auf die Moral und den Charakter der Menschen in Hotspotgebieten? Soll man die jetzt immer führen? Na dann warte mal ab....

  • Finde diese Erzählung über den Habitus der Ostdeutschen ziemlich problematisch. Wenn es niedrigere Inzidenzen als im Westen gäbe, könnte man resümieren, dass das wahrscheinlich an dem Duckmäuser- und Spitzelhabitus der Ostdeutschen läge...

    Ich arbeite in Thüringen, in einem Hotspot. Hier gab es keine Hygienedemo. Man kommt ohne Maske in keinen Supermarkt.

    Es könnte sein, dass Home-Officemöglichkeiten nicht so konsequent wahrgenommen werden, was am durchschnittlichen Alter der Beschäftigten liegen könnte. Es kann auch an einer bislang nicht identifizierten Virusvariante liegen. Es kann daran liegen, dass die Kitadichte höher ist als bspw. in BaWü.. Tatsächlich ist vieles möglich. Aber diese spalterische.... in meinen Augen auch hämische Diskussion ist nicht ganz ungefährlich. Der Winter ist noch sehr lang. Was sollen diese Schuldzuweisungen und Rückführungen auf die Moral und den Charakter der Menschen in Hotspotgebieten? Soll man die jetzt immer führen? Na dann warte mal ab....

    Nein es liegt nicht an irgendeiner Virus version und irgendeiner Kitadichte. Nein, es ist nicht vieles möglich, was allein in Sachsen die Zahl anfang Dezember dauerhaft aufs doppelte bis dreifache des deutschen Schnitts getrieben hatte.


    Denk mal zurück ob dein Beschreiben deiner achso vernünftigen Mitbürger auch für den Herbst und Sommer galt - da wurde nämlich der Grundstein gelegt für homogene Verteilung von Infizierten in der Bevölkerung, die dann von Belang ist, wenn die infektionsrelevante Kontaktzahl aufgrund Wetters steigt. Dieser Grundstein wurde tatkräftig durch die Landespolitik, die sich auf den Märzerfolgen ausruhen wollte, in Form gemeißelt.


    Selbst als es langsam klar wurde, dass dieses mal auch der Osten dran ist, haben Ramelow und Kretschmer noch mit Verharmlosungen und Scheindebatten Salamitaktik gespielt. Ramelow hat das ja mittlerweile offentoch bereut. Auch im Spätherbst war das alles kein Thema, da gab es noch Stadtfeste in Dresden mit eng gestellten Büdchen, Wein und Sauffeste (Meißen) bis kurz vor den Novemberlockdown - wo die Hölle los war, der kleine Grenzverkehr wurde fröhlich genutzt ...


    Es geht hier nicht um die Maskenpflicht im Supermarkt... Sondern um das Verhalten von Arbeitgebern, ums joviale Ignorieren, um Grenzverkehr, um Privatpartys (ich hatte da so bißchen Einblick über ne Arbeitskollegin, was so in Mietlocations im Raum Meißen lief und wie man da noch zu ner zünftigen Party kam), Gastro die die Regeln dehnt. Beispiel: Kontaktabgabe wurde einfach ignoriert durch die sächsische Politik - ja vielleicht ist die nicht super sinnvoll, aber symbolische Maßnahmen schärfen die Wachsamkeit und das Bewusstsein und genau letzteres kam z. B. In der breiten Bevölkerung von Ostdeutschland tatsächlich erst Mitte Dezember / kurz vor Weihnachten, als die Hilferufe der Krankenhäuser laut wurden. Und die gleichen Leute haben zwei Monate vorher über Berlin und Massenhochzeiten gespottet. Irgendwann Ende November wars glaub ich, als ich als einziger mit Maske in einer Besprechung mit 8 Leuten von 3 Firmen saß und dumm rumgewitzelt wurde.


    Einfach sich mal die B96 Proteste anschauen, das ist stellvertretend für die sächsische Grenzregion, das sind keine singulären Ausfälle sondern fester Bestandteil von Ostsachsen...Und diese Ansichten werden sich nicht im ständigen Masken-Ignorieren im Supermarkt oder ÖPNV zeigen, sondern dort wo du es nicht siehst...


    Und Nö man SOLL die Diskussion nicht führen, aber vielleicht MUSS man die Diskussion führen, wo die Wissenschaftsfeindlichkeit hinführt und wo Wissenschaftsfeindlichkeit vornehmlich Anklang findet...


  • Etwa 3.000 Künstler und Publizisten mussten im vergangenen Jahr ganz ohne Krankenversicherung auskommen.

    Bei 10.000 Betroffenen aus der Kultur- und Medienbranche habe die Künstlersozialkasse (KSK) Vollstreckungsverfahren wegen ausstehender Beitragszahlungen ausgelöst. Das ergab nach Informationen der Zeitung "Neues Deutschland. Der Tag" eine Anfrage der kulturpolitischen Sprecherin der Linksfraktion, Simone Barrientos, an die Bundesregierung.

    In der Anfrage ging es um die Lebensumstände von rund 200.000 KSK-Versicherten in der Pandemie, in der für viele Kunst- und Kulturschaffende wegen der Lockdown-Maßnahmen die Einkünfte weggebrochen sind. Die Künstlersozialkasse dient der sozialen Absicherung von Menschen in Kreativberufen.

    https://www1.wdr.de/kultur/kul…zialversicherung-100.html

  • Seit dem 1. Januar sind Werk- und Leiharbeitsverträge in der Fleischbranche verboten. Arbeitsminister Hubertus Heil wollte damit die Ausbeutung und unhaltbaren Zustände in den Schlachthöfen unterbinden. Doch für viele Arbeiter hat sich bisher durch das Gesetz für mehr Arbeitsschutz wenig geändert.




    „Es ist alles wie vorher: Wenn du Urlaub willst, bekommst du keinen, wenn du einen Tag frei nehmen willst, sagen die Vorarbeiter geht nicht, wenn du krank wirst, drohen sie dir, wenn du nicht kommst, wirst du rauschgeschmissen“, sagt Mihai.



    Weniger Mitarbeiter für dieselbe Arbeitsmenge

    Die Arbeitsbedingungen hätten sich seitdem nicht verbessert. Im Gegenteil, sagt der 25-Jährige. Auch weil Tönnies im Betrieb offenbar mit weniger Mitarbeitern auskommen muss. „Es ist viel härter geworden, sie haben viel weniger Leute, aber genau so viel Arbeit. Die gleiche Menge Schweine“, sagt Mihai.


    https://www.deutschlandfunk.de…ml?dram:article_id=490837

  • Denk mal zurück ob dein Beschreiben deiner achso vernünftigen Mitbürger auch für den Herbst und Sommer galt - da wurde nämlich der Grundstein gelegt für homogene Verteilung von Infizierten in der Bevölkerung, die dann von Belang ist, wenn die infektionsrelevante Kontaktzahl aufgrund Wetters steigt.

    Verstehe ich das richtig? Du bist der Meinung, dass man sich im Sommer infizieren konnte (als die Zahl der aktiven Fälle, also insgesamt positiv Getestete minus die Genesenen, bundesweit lange unter 5000 lag), dass man dann das Virus, ohne dass die Krankheit erkennbar ausbrach, in sich trug und dass man dann im Winter, immer noch ohne Symptome, andere anstecken konnte?


    Das wäre, wenn ich es richtig verstehe, eine interessante epidemiologische These. Ich bin aber nicht sicher, ob sie aus inmmunologischer Sicht haltbar ist: was macht der Organismus die ganze Zeit über mit dem Virus? Die Abwehr scheint es ja im Griff zu haben, die Krankheit bricht nicht aus. Warum sollte jemand dann ansteckend sein?


    Hast du Quellen für diese These? Oder verstehe ich da was falsch? Wenn ja, dann bitte ich um Berichtigung. Gerne per PM (Konversations-Button), um den Thread nicht zu stören.

  • Verstehe ich das richtig? Du bist der Meinung, dass man sich im Sommer infizieren konnte (als die Zahl der aktiven Fälle, also insgesamt positiv Getestete minus die Genesenen, bundesweit lange unter 5000 lag), dass man dann das Virus, ohne dass die Krankheit erkennbar ausbrach, in sich trug und dass man dann im Winter, immer noch ohne Symptome, andere anstecken konnte?


    Das wäre, wenn ich es richtig verstehe, eine interessante epidemiologische These. Ich bin aber nicht sicher, ob sie aus inmmunologischer Sicht haltbar ist: was macht der Organismus die ganze Zeit über mit dem Virus? Die Abwehr scheint es ja im Griff zu haben, die Krankheit bricht nicht aus. Warum sollte jemand dann ansteckend sein?


    Hast du Quellen für diese These? Oder verstehe ich da was falsch? Wenn ja, dann bitte ich um Berichtigung. Gerne per PM (Konversations-Button), um den Thread nicht zu stören.

    Nein du verstehst das falsch. Im Sommer und Frühherbst wurde das Virus in die Breite getragen. Also von Hotspots bezogen auf Arbeitgeber, Einrichtungen, bestimmte Dörfer, bestimmte Landkreise, Altenheime etc. wurde das Virus in die Fläche getragen, es ist überall hindiffundiert, überspitzt gesagt ein Infizierter in jedes Dorf, in jedes Großraumbüro, in jedes Pflegeheim, in jede Schule - entsprechend der geringen Übertragungswahescheinlichkeiten natürlich zahlenmäßig insgesamt gering und ohne/kaum Auswirkung auf die Orte wo es hindiffundiert ist. Aber ein infizierte steckt halt einen weiteren an, vielleicht auch nur 0,8 weitere Personen... Aber es verschwindet nicht mehr von dem Ort wo es hindiffundiert ist.


    In dem Moment wo im Winter der Sack (in Form von drinnen, schlechtere Belüftung, mehr Öpnv, Besuchskaskaden a la Advent, etc.) zugezogen wird bricht es dann überall verhältnismäßig gleichzeitig aus, bzw. diffundiert in noch kleinere gesellschaftliche Einheiten und aus diesem Grund wirken (verzögerte! , halbherzige! , punktuelle!) Lockdowns auch so schlecht / schlechter als zur ersten Welle...was nicht heißt das sie nicht helfen, aber es ist halt wie beim Qualitätsmanagement - je später man einen Fehler entdeckt, desto aufwendiger die Korrektur.


    Das ist aber basic Epidemiologie und wurde genau so quasi schon im April für den Herbst antizipiert. Genau so bleibt jedes Virus am Leben, das nicht ausgerottet wird, in dem man ihm die Übertragungswege nimmt...


    Und dieses in die Breite tragen unterstelle ich den Ostdeutschen oder in meinem Erfahrungshorizont speziell den Sachsen überproportional (im innerdeutschen Vergleich) in Form von bis in den Dezember anhaltender Nachlässigkeit, Ignoranz und teilweise Arroganz. Genau das gleiche konnte man im September in Tschechien beobachten, dass es dort durch die Decke ging, war absolut keine Überraschung.

  • Ich sehe nicht den Widerspruch zwischen meiner Beschreibung und deiner.

    In dem Moment wo im Winter der Sack (in Form von drinnen, schlechtere Belüftung, mehr Öpnv, Besuchskaskaden a la Advent, etc.) zugezogen wird bricht es dann überall verhältnismäßig gleichzeitig aus,

    Das setzt doch voraus, dass sich das Virus bis dahin ruhig verhalten hat, also durch das Immunsystem des Trägers kontrolliert wurde. Die Frage ist, ob die Krankheit bei diesen Trägern dann wirklich noch ausbrechen kann oder ob die kleine sommerliche Virusmenge und die Reaktion des Immunsystems darauf nicht eher wie eine Impfung wirken und dieser Mechanismus letztlich zur Herdenimmunität beiträgt. Genau diesen Effekt hatte übrigens Hendrik Streeck im Sinn, als er für "mehr Mut im Sommer" plädierte.

    Link: https://www.aerzteblatt.de/nac…sschen-mehr-Mut-im-Sommer


    Das ist aber basic Epidemiologie und wurde genau so quasi schon im April für den Herbst antizipiert.

    Denke eher, dass das eine Art Privat-Epidemiogie ist von einem Hobbyepidemiologen-Kollegen. ;) Jedenfalls entbindet dich die Deklaration als "basic Epidemiologie" nicht von der Pflicht des Nachweises ener Quelle für diese deine These, sofern sie als gültig akzeptiert werden soll.


    Edit:

    Mir fällt beim nochmaligen Lesen auf, dass wir möglicherweise eine unterschiedliche Vorstellung haben vom Begriff "es bricht" aus im Kontext einer Viruserkrankung. Für mich bedeutet das, dass die Krankheit ausbricht: Die Leute bekommen Husten, Schnupfen oder Schlimmeres.


    Für dich bedeutet ""es bricht aus" im oben zitierten Kontext hingegen, dass das Virus lediglich neue Träger findet, ohne bei diesen zwingend ein Krankheit auszulösen. Richtig?


    Das wäre für mich dann wiederum unproblematisch, denn ich beurteile die Schwere einer Epidemie anhand von deren Opfern, nicht anhand der zahlenmäßigen Verbreitung eines Virus. Es sind zwei unterschiedliche (Hobby-)epidemiologische ( ;) ) Ansätze, die wir verfolgen - sofern ich dich jetzt richtig verstanden habe.

  • Und hier mal was aktuelles aus einem Land ohne ernstzunehmenden Lockdown mit einer gottgläubigen und zu einem guten Teil wissenschaftsungläubigen, rechtskonservativen Bevölkerung - USA...grad gesehen, lies mir die Kinnlade runterklappen...Das passiert, wenn man es der Bevölkerung selbst überlässt, viel zu spät oder gar nicht handelt.


  • Nein du verstehst es nicht, nein! Lies es nochmal. Bzw. Ich sehe gerade du hast es nochmal gelesen und glaube verstanden, was ich meine mit "im Sommer / Herbst n die breite diffundieren"


    Ich rede ausdrücklich nicht von irgendwelchen Personen die das Virus bis Winter in sich tragen und dann bereitwillig übertragen, sondern vom Virus das entsprechend der Ansteckungsmöglichkeiten langsam in die Breite Bevölkerung diffundiert ohne aber irgendwo für die Behörden sichtbar auszubrechen, weil es eben aufgrund des Sommers zu wenig Übertragungsmöglichkeiten hat. Sowas war nur partiell sichtbar (Tönnies - quasi künstlicher Herbst/Winter sowohl in Bezug auf Arbeit als auch Unterkunft).


    Diese Infizierten gesunden natürlich nach 1 bis 2 Wochen und sind nicht mehr ansteckend, haben vorher aber eine Person in ihrem Umkreis angesteckt oder eben mal 10 auf einem Stadtfest die es dann in die Dörfer bringen, dort bleibt es aber vielleicht nur in jedem zweiten Dorf am Leben, weil nur 5 Leute vom Stadtfest einen auf dem Dorf anstecken ( - aber plötzlich ist es in 5 Dörfern angekommen und muss nur noch wenige Wochen durchhalten, bis Herbst ist und alle wieder öfter drin sind)...


    Damit das Virus in einer Entität X (beispielsweise ein x-beliebiges Dorf) mit einem Infizierten von Mai bis September überlebt, benötigt man doch gerade mal 16 erfolgreiche Übertragungen, 16 unterschiedliche Infizierte in Reihe, jeder Infizierte hat 5-10 Tage Zeit - das ist doch gar nichts...Und das noch exklusive jeglichen Pendler & Publikumsverkehr, der noch als lebenserhaltende Maßnahme dient bzw. dann eben das Virus wieder ins Dorf bringt, sollte es mal in einer zwischenmenschlichen Sackgasse gelandet sein.


    Ich rede quasi vom Schläferzellen wie damals die bei Terroristen, nur dass ständig die personelle Besetzung wechselt und die vorherige Zelle samt Terrorist stillgelegt wird. Wie gesagt, genau wie die normale Grippe... Nur das eben viel weniger Leute im Krankenhaus landen, wenn diese dann im Herbst / Winter durch die überproportionale Zunahme an potentiellen Ansteckungsmöglichkeiten plötzlich explodiert.

  • Etwa 3.000 Künstler und Publizisten mussten im vergangenen Jahr ganz ohne Krankenversicherung auskommen.

    Stecke in dem Thema leider nicht drin, aber das kann eigentlich doch gar nicht sein (wie so vieles, das dann doch ist). Es gibt doch sowohl eine Versicherungspflicht der Leute als auch eine Aufnahmepflicht durch die Kassen, wo hängt es denn jetzt noch?

  • Nein es liegt nicht an irgendeiner Virus version und irgendeiner Kitadichte. Nein, es ist nicht vieles möglich, was allein in Sachsen die Zahl anfang Dezember dauerhaft aufs doppelte bis dreifache des deutschen Schnitts getrieben hatte.

    Wie kannst Du andere Gründe ausschließen? Wieso muss es zwangsläufig am Charakter oder der politischen Haltung eines Teils der Bevölkerung liegen? Was befähigt Dich zu diesem Wissen? Weder Lauterbach, Drosten noch sonst ein anerkannter Virologe argumentiert in diese Richtung.


    Denk mal zurück ob dein Beschreiben deiner achso vernünftigen Mitbürger auch für den Herbst und Sommer galt - da wurde nämlich der Grundstein gelegt für homogene Verteilung von Infizierten in der Bevölkerung, die dann von Belang ist, wenn die infektionsrelevante Kontaktzahl aufgrund Wetters steigt. Dieser Grundstein wurde tatkräftig durch die Landespolitik, die sich auf den Märzerfolgen ausruhen wollte, in Form gemeißelt.


    Selbst als es langsam klar wurde, dass dieses mal auch der Osten dran ist, haben Ramelow und Kretschmer noch mit Verharmlosungen und Scheindebatten Salamitaktik gespielt. Ramelow hat das ja mittlerweile offentoch bereut. Auch im Spätherbst war das alles kein Thema, da gab es noch Stadtfeste in Dresden mit eng gestellten Büdchen, Wein und Sauffeste (Meißen) bis kurz vor den Novemberlockdown - wo die Hölle los war, der kleine Grenzverkehr wurde fröhlich genutzt ...

    Das fand doch in Berlin und jeder anderen Großstadt mit jungen Leuten, die rausgehen und sich begegnen wollten, nicht viel weniger statt. Als ob jetzt Dorffeste, organisiert von irgendwelchen AfD-Wählern, ursächlich für diese Hot-Spots wären... Also an mir ging das vorbei. Ich hörte mal von einer Hochzeit eines Polizei-Schülers, die wohl zu einem Super-Spreading-Event wurde. Aber diese Hochzeiten mit Virenübertragungen gab es überall im Sommer oder Herbst. Als ob Ramelow irgendetwas erlaubt hätte, was in Hamburg, Berlin oder München nicht genauso und viel größer stattgefunden hätte. Hier ist wirklich nichts los!!


    Einfach sich mal die B96 Proteste anschauen, das ist stellvertretend für die sächsische Grenzregion, das sind keine singulären Ausfälle sondern fester Bestandteil von Ostsachsen...Und diese Ansichten werden sich nicht im ständigen Masken-Ignorieren im Supermarkt oder ÖPNV zeigen, sondern dort wo du es nicht siehst...


    Und Nö man SOLL die Diskussion nicht führen, aber vielleicht MUSS man die Diskussion führen, wo die Wissenschaftsfeindlichkeit hinführt und wo Wissenschaftsfeindlichkeit vornehmlich Anklang findet...

    Wenn ich das so lese glaube ich an ein persönliches Kränkungserlebnis. Und der Ton gefällt mir nicht. Also sind die Ostdeutschen irgendwie "wissenschaftsfeindlich" und das ist ihr Hauptproblem in dieser Epidemie. Vielleicht weisen Sie in Deinen Augen auch generelle kognitive Einschränkungen auf?

    Das sagt jetzt wer? Ein westdeutscher Wissenschaftler, der in Ostdeutschland arbeiten muss, manchmal gehänselt wird und ansonsten nicht besonders viel mit den dort lebenden Menschen anfangen kann und am liebsten zurück in seinen Heimatort Hannover ziehen würde aber dort leider keine gleichwertigen Angebote findet?

    Du wirst Dich mit solchen Thesen auch weiterhin unbeliebt machen und ich glaube Du hast einen etwas verschobenen Blick auf Ostdeutsche. Gregor Gysi beschrieb die DDR einmal als "preußische Militärdiktatur" Und ich glaube, dass das ganz gut passte. Dieser Habitus ist mir nicht fremd und ich sehe den auch an mir: Ich hasse es mich zu verspäten. Ich glaube an Tugenden wie Fleiß. Ich mag keine denkfaulen Leute in meinem beruflichen Umfeld. Ich möchte Zuverlässigkeit ausstrahlen und einfordern. Ich glaube eher an den kategorischen Imperativ von Kant und weniger an Jesus Christus. Als Atheist ist man auch generell der Naturwissenschaft näher als dem Glauben... Alles Dinge, die auf mind. 70% der DDR-Bürger zutreffen. Was hast Du denn so ein Bild? Was unterscheidet Dich denn von dem Ostdeutschen, den Du beschreibst?