AstraZeneca löst nur ein Problem


  • Amerika will keine Insel vor Asien sein, aber auch nicht länger das Exil für Europäer. Also entwickelt es sich, vom Exportweltmeister des Amerikanischen Way of Live zum wahren Weltengestalter. Dafür, schreibt Bruno Macaes, müssen ein paar Dinge auf der Strecke bleiben. Aber die Angst, sich von seiner Gründungsgeschichte zu weit zu entfernen, kennen ohnehin nur die Europäer. Amerika hat sich längst eingerichtet in der neuen Virtualität, in der alles möglich ist, sofern man den Wunsch gut auf die Straße bringt.

    Donald Trump versprach die Vormachtstellung in der Welt, Bernie Sanders die sozialistische Revolution und Alexandria Ocasio-Cortez die grüne Weltrettung. Nun muss sich der Wähler nur entscheiden und der Wunsch wird Wirklichkeit. Ganz anders in Europa: Hier sucht Mai Thi die kleinste gemeinsame Wirklichkeit und der Spiegel traut sich eine Titelgeschichte über Corona zu, in der die Politiker mal keine Rolle spielen. Stattdessen gehts um all die ausgefallenen Küsse. Die Liebe ist auch Thema bei François Jullien. Er sagt, wir sollen nicht so viel quatschen.

    In Frankreich beginnt der Wahlkampf mit einer Auseinandersetzung zwischen der Regierung und den Universitätspräsidenten. Macron will LePen Wind aus den Segeln nehmen, in dem er ihre Vorbehalte gegen die neuen Sozialwissenschaften schon mal auf den Rechtsweg bringt. Das ist heikel.

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    Literaturliste

    1. Bruno Macaes ist Politiker in Portugal, und Chronist der politischen Welt. “Histroy has begun” ist eine faszinierende Spekulation zur Virtualisierung der Politik
    2. “Warum man nicht mehr ‘Ich liebe dich’ sagen sollte”, erklärt der französische Philosoph und Sinologe François Jullien in seinem neuen Buch. Er zeigt, wie eine zweite Liebe möglich ist und was Intimität bedeute
    3. Fabio di Masi verabschiedet sich aus der Politik. Sein Abschiedsbrief an seine Bundestagsfraktion legt den Finger in die Wunde
    4. Er war Karl Lagerfelds letzte Muse: Das Model Baptiste Giabiconi hatte vor allem die Aufgabe, den Modemacher zu inspirieren. Sein lesenswertes Buch ist auch eine ungewöhnliche Liebesgeschichte. Baptiste Giabiconi: Karl und Ich. Die Geschichte einer besonderen Freundschaft, Heyne
    5. Der Spiegel-Aufmacher handelt von Corona, spart das Virus und die Politik aber aus. Außerdem: Gespräch mit Oberstaatsanwalt Ralph Knispel
    6. Sollte sich die Politik zurückziehen und nur noch auf “die” Wissenschaft hören? Sind Klimaleugner per se gegen Wissenschaften? Nein, sagt der Soziologe Alexander Bogner in seinem Buch “Die Epistimisierung des Politischen”
    7. Mai This Buch über die kleinste gemeinsame Wirklichkeit hat ein gutes Kapitel zum Gender-Pay-Gap, der anregt über Care- und Culture-Work zu sprechen
    8. Neues aus der Immobilienblase: Das Start-up Scoperty schätzt per Algorithmus alle Häuse in Deutschland und stellt dies online
    9. Constant Méheut schreibt in der NYTimes über den Kulturkampf zwischen Wahlkämpfer Macron und den Universitäts-Präsidenten
    10. Was tun mit all den E-Mails? Darüber schreibt Pilita Clark in der “Financial Times”

    Quelle: https://neuezwanziger.de/2021/03/1775/

  • History has Begun :

    Ihr sprecht diese metaphysischen Geschichtskonstrukte an mit Oswald Spengler usw. Aber dazu gehört auch Francis Fukuyama und ein wenig auch diese Buch hier.

    Der Punkt mit diesen Metaerzählungen ist, dass man sie einfach nicht los bekommt, sondern man findet immer wieder jemanden, der den "Auftieg und Fall" postuliert oder sagt, es ist alles immer dasselbe oder es gebe ein bestimmtes Ziel der Geschichte....

    Man wird die einfach nicht los. Beispiele wie "make america great" oder auch wenn von "Zivilisationskrankheiten" gesprochen wird.


    Ich finde das ist auch ein wenig das Müßige an dem Buch. Geschichte beginnt jetzt? Warum genau jetzt? Begann die nicht letzte Woche? oder als Hannibal über die Alpen zog?

    Es gibt auch andere Erzählungen, wo Geschichte erst noch stattfinden wird wie bei Walter Benjamin, also Marxismus oder Christentum.

    Es ist scharf geschrieben - vielleicht weil es sich nicht um historische Realitäten kümmert oder meint kümmern zu müssen (so ähnlich wie Spengler damals auch) . Die materielle Lage für ein Großteil der amerikanischen Bevölkerung ist wirklich nicht sehr gut und das Leid, das erzeugt wird, ist mindestens genauso real wie jede FIktion. Bzw. wenn man es mit seinem Konstruktivismus übertreibt, dann landet man mit einer Pillenüberdosis in Russland wie JB Peterson demonstriert hat. Was wohl ein Hummer dazu sagen würde.


    Also, um die steinharte materielle Realität hier mal anzumerken:

    Ist dieser Wettlauf zwischen USA und China nicht ein wenig zu konstruiert? Benjamin R Barbar schrieb, dass die USA meint, sie seinen Independent, also unabhängig vom Rest der Welt (zum einen geographisch per Ozeane, zum anderen ideologisch und wirtschaftlich). Stattdessen sind sie doch eher Interdepent: es gibt eine hohe Verflechtung mit dem Rest der Welt auf politischer, wirtschaftlicher, infrastruktureller und sonst wie auch immer gearteten Ebene, sodass das, was hier passiert dort drüben ebenso Auswirkungen hat und das, was drüben passiert hier ebenso. Bei China ist es nicht anders. Bzw. China wird nicht einfach so und ohne westliches Zutun Supermacht, sondern der Westen profitiert davon ganz bestimmt auch. (Wobei der Westen als Bezeichnung ja auch so eine Sache ist...) Die USA hat ein riesigen Absatzmarkt und hohe Importe - China dagegen hohe Exporte: dort kann billig produziert werden. Wenn die Wirtschaft der USA zusammenbricht, bricht auch ein großer Teil des Exports von China ein. Es macht aus dieser Sicht kein Sinn, die Staaten zu bekämpfen. Und kommen nicht sowieso große Software und Hardware-Herrsteller schon längst aus Japen und Ostasien?

    Sowieso: Offene Konflikte sind für China nicht unbedingt hilfreich, vielleicht auch kein Kuschelkurs, aber so ein angespannter Frieden vielleicht, aber den gab es schon immer.

    Es geht darum, die Machtverhältnisse zu sichern und nicht wie ein halbwüchsiger wild umsich zu schlagen.

    Aber der Punkt ist: genau deswegen ist es so belächelbar, wenn von "Aufstieg und Fall" oder der "Höhepunkt" einer Kultur oder "Jetzt beginnt/endet Geschichte". Die Perspektive wird unterkomplex und man beruft sich dann auf Fiktion, weil sonst müsste man Konstruktionen ja wirklich aufgeben und muss sich vielleicht mit den wirklich Leidtragenden auseinander setzen.


    Nachtrag: wirtschaftliche Verflechtung1: https://www.spiegel.de/wirtsch…e1-4964-85f1-7ecc10015e37