3 Trillion Dollar, NFT Zufallskunst, Unterschichten-Corona, Bürgerräte, Sues-Thrombose

  • Amerika hat sich entschieden 5 Billionen Dollar für die eigenen Bürger auszugeben. Das Geld, sagt Stephanie Kelton, musste nicht erst gesucht und gefunden werden, oder durch Sparen anderswo gegenfinanziert. Der Congress wird entscheiden, damit ist es da. Das bringt das Land einen großen Schritt nach vorn. Wir Europäer bleiben zurück. Wir blockieren uns mit Idiotie selbst. Die Hauptrolle spielt mal wieder das Bundesverfassungsgericht. Es ist nun wirklich Zeit für neues politisches Denken.

    … doch es kommt nicht. Stattdessen erleben wir Partizipationstheater rund um Bürgerräte und Direktdemokraten, die nicht aus dem Quark kommt. Menschen reden sich mit endlosen Monologen den Mund fusselig und sitzen sich dann in Stillarbeit gegenüber, weil sie unzufrieden sind und glauben, es mangelt an ihrer Idee. Noch weniger Bewegung war diesen Monat nur im Sueskanal. Alles stand still. Die Globalisierung hat eine Herzattacke bekommen.

    Action gabs auf dem Kunstmarkt. Dass Beeple seine “Everydays” für fast 70 Millionen Dollar verkaufen konnte, verdankt er einer neuen Technologie – die noch viel mehr kann als Zufallsdaten zu generieren. NFTs holen die Einzigartigkeit in die digitale Welt. Im Schlepptau haben sie Smart-Contracts, über die wir heute noch lächeln. Doch schon morgen könnte jemand auf eine raffinierte Idee kommen. Wir besprechen es und blicken ansonsten noch auf den Wahlmonat März, die Rentnerrepublik hat gewählt. Und über das nervende Virus reden wir natürlich auch. Corona mausert sich zur Unterschichten-Krankheit, was wir aber noch nicht wahr haben wollen.

    Komm’ in den Salon. Es gibt ihn via Webplayer & RSS-Feed (zum Hören im Podcatcher deiner Wahl). Wenn du Salon-Stürmer bist, lade weitere Hörer von der Gästeliste ein.

    Quelle: https://neuezwanziger.de/2021/…rgerraete-sues-thrombose/

  • Kurze Anmerkung zu der Corona-Armut Korellation nur bezogen auf die Regionen (nicht auf Arm vs Reich in der gleichen Region). Wohlhabende Menschen leben erstmal allgemein länger. Es gibt auch Publikationen, die das über den Deprivationsindex mit der generellen Mortalität vergleichen (da gibt es auch eine ganz klare Korellation), ob das in Deutschland über den gleichen Index auf Covid-19 bezogen genauso korelliert steht allerdings auf einem anderen Blatt.


    Ich habe dann aus Interesse mal nachgeguckt, weil mich als riesigen Karten-Fan interessiert welche Kreise wie bewertet werden. In dem Faktenblatt vom RKI sind die Kreise nicht gelistet. Sie beziehen sich aber auf dieses Journal von 2017 (siehe Karte auf S 111). Der eigentliche Index ist wohl noch von 2012.


    Nun lebe ich also in einem Stufe 5 Kreis (höchste Deprivation) und bin auch praktisch umgeben von diesen (im Norden von SH). Ich habe das dann mal mit dem Hochtaunuskreis (Stufe 1) abgeglichen und wir haben hier im LK Schleswig-Flensburg jeweils ca. 1/3 der Fälle und Todesfälle pro Einwohner (verteilt über den ganzen Pandemie-Verlauf). Im Nachbarkreis sind es ebenfalls weniger Todesfälle pro Einwohner. Fazit: Jeder Kreis mit der höchsten Deprivation in SH hat weniger Covid-19 Fälle als der Hochtaunuskreis. In Niedersachsen gibt es zwar mit Hannover und dem Emsland Stufe 5 Kreise mit etwas mehr Infektionsgeschehen, die Mehrheit der deprivierten Kreise liegt aber wieder deutlich unter dem Hochtaunuskreis. Mann brauch jetzt auch nicht den Hochtaunuskreis zu nehmen. München oder Starnberg schreiben noch höhere Zahlen. Selbst Hamburg und Stormarn (die zwei Kreise im Norden mit der geringsten Deprivation) liegen über den ärmeren Landkreisen. Wenn wir also nur auf Hamburg, Niedersachsen und SH gucken, dann ist bezogen auf Corona bisher schon eher das Gegenteil der Fall.


    Damit will ich die tatsächlichen Probleme gar nicht klein reden. Viele, wenn nicht alle dieser Kreise sind enorm durch den Strukturwandel betroffen und die Menschen leben auch ein zwei (oder noch mehr?) Jahre weniger als in München oder Starnberg. Was das Infektionsgeschehen angeht sind sie aber bisher besser duch die Pandemie gekommen. Selbst Bremerhaven hat etwas weniger Infektionen pro Einwohner als Bremen. Man sieht diesen Effekt also hier so gut wie gar nicht, aber wenn die Forderung lautet mehr Geld in die armen Länder, ist das natürlich gut für Schleswig-Holstein (als ärmstes westdeutsches Land).


    Ich bin an sich also immer für solche Narrative, aber man kommt nicht drum rum da das Fass aufzumachen, dass die Liste der deprivierte Kreise von Ostdeutschland dominiert wird und in vor allem Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt kann das Infektionsgeschehen nicht nur an Armut liegen, sondern es hängt vermutbar auch mit z.B. der Wahrnehmung von Staatsautorität zusammen. Fast ganz Sachsen ist auf dem Index Stufe 4, d.h. weniger depiviert als meine Heimat, trotzdem brodelt es in Sachsen und hier halten sich Infektionen die meiste Zeit auf einem niedrigen Niveau. Ich glaube der einzige Kreis in Sachsen der weniger Infektionsgeschehen hat als auch nur ein höchst deprivierter Kreis im Norden wäre Leipzig vs. Hannover (und der Unterschied ist marginal). In Meck-Pom gibt es keinen einzigen Kreis, der im Index nicht Stufe 5 ist (in Sachsen gibt es nur 2), trotzdem ist die Entwicklung durch die ganze Pandemie besser als im Bundesschnitt (und nicht nur durch Rostock). Die Statistik wird ganz massiv beeinflusst von vor allem Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen. Wenn du die mal aus der Datenmenge raus nimmst frage ich mich, ob du nicht das umgedrehte Bild kriegst, das wäre fast schon naheliegend. Es gibt in NRW und im Süden deprivierte Landkreise wo es ganz beschissen lief, aber die dürften von den Kreisen im Norden die fast durch die Bank unterm Schnitt liegen locker aufgewogen werden.


    Ich will mich aber dem Grundtenor durchaus anschließen. Für Bayern war es am einfachsten Gratis-Tests anzubieten, die haben ordentlich Knete in den Statskassen. In Schleswig-Holstein ist es zwar trotzdem unverantwortlich, dass wir nicht sofort mit Dänemark mitgezogen sind, aber die Upfront-Ausgaben wiegen auch erstmal schwerer auf einer deutlich angespannteren Lage in der Staatskasse. Da hofft man dann auch eher auf den Bund. Die Länder können ja auch nur begrenzt Einnahmen generieren. Das Gleiche beim Thema Strom. Obwohl Rot-Grün-Blau mit Habeck als Umweltminister erneuerbare Energien ausgebaut hat wie blöde (in 5 Jahren wurden die Kapazitäten, sowie der tatsächliche Output verdreifacht - seitdem die CDU und FDP zurück sind ist in 4 Jahren nichts mehr passiert), waren die Bayern sich dann aber selbst für Stromtrassen zu schade und der Strom ist hier am teuersten obwohl Schleswig-Holstein alleine schon mehr Windenergie produziert als ganz Dänemark, dazu kommt dann noch die ganze Lobbyarbeit für Bayern im Verkehrministerium, dass immer mit korrupten Pappnasen aus der CSU besetzt wird (die nachweislich Geld nach Bayern scheffeln) und so weiter und so fort. Also klar: Wir armen Kreise werden systematisch über den Tisch gezogen, aber immerhin was die Infektionen in der Pandemie betrifft scheint mir das nicht unbedingt der Fall zu sein, sondern da muss man dann schon mal über die 3 Länder im Südosten mit den sehr hohen Inzidenzen sprechen, die das Gesammtbild stark beeinflussen.


    Ganz kurze Notiz noch am Ende: Der SSW tritt ja diesmal seit ca. 50 Jahren mal wieder für den Bundestag an (1949 haben sie zuletzt nen Sitz gewonnen). Die 5 % Sperrklausel gilt für den SSW nicht, es besteht also eine legitime Chance auf einen Sitz (ca. 40k-60k Stimmen glaube ich). Der Spitzenkandidat ist jetzt gerade frisch nominiert. Angetreten ist er praktisch damit, dass wir ja im Bundestag auch Lobbyarbeit für Schleswig-Holstein fernab des Hamburger Speckgürtels machen können und nicht nur die CSU für Bayern. Die Möglichkeiten mit einem einzigen Sitz sind zwar bescheiden, aber die Möglichkeiten mit einer einzigen Stimme auch, deswegen ist es mir das wert (Erststimme geht dann trotzdem an Habeck in froher Erwartung, dass Frau Nicolaisen, CDU, rausfliegt).

  • Mir ist heute gleich bei mehreren Themen negativ aufgefallen, dass ihr mit viel (vorgefertigter) Meinung, aber wenig Substanz diskutiert.

    Das wiederrum passte zu Stefans Bemerkung, dass man als Buerger fuer Sachthemen eher ein Sachbuch, denn die Bundespolitik (oder Podcast ?) heranziehen sollte. Die Krux ist fuer mich, dass ihr relevante Themen in meist angemessener Laenge besprecht, aber diese in ihrer Tiefe selten darstellen koennt. Das ist mir bei den Themen Buergerraeten, Blockchain und Geldsystem heute besonders aufgefallen. Sicherlich nicht einfach, fuer jede Folge passende Experten zu finden, aber Dimitri von Youtube ueber Blockchain so stehen zu lassen, grenzt an intellektuelle Beleidigung. Wenn es um Euros und Dollars geht, gehts auch immer wieder drunter und drueber. Wenn euch der Stichpunkt MMT so wichtig scheint, dann ladet doch mal Maurice Hoefgen oder Dirk Ehnts als deutsche MMTler ein...


    Frohe Ostern!

  • Bin anderer Meinung bei Bidens Subventionen, dass er im Sinne von AOC usw. handele. Es fehlt Minimum Wage, Health-care usw. die Investitionen sind weit unter dem, was gefordert wird und er ist dabei sogar noch konservativer als die konservativsten Demokraten.