Beiträge von Gojira

    Ich will, dass mir die Wirksamkeit des Lockdowns irgendwie statistisch nochmal bestätigt wird.


    Geht nicht. Für jedes Beispiel, das die Wirksamkeit des Lockdowns zu bestätigen scheint, findet man ein Gegenbeispiel, das diese widerlegt. In der Regel gehen die Infektionszahlen ohnehin nach Ende des Lockdowns wieder hoch, oder die Infektionswelle der nächsten Saison holt nach, was zuvor mittels Lockdown unterdrückt wurde.


    Ausnahmen sind nur Inselstaaten mit Extrem-Lockdown und Quasi-Einreisesperre (Australien, Neuseeland) und China. Was China angeht ist natürlich die Datenbasis äußerst fragwürdig.


    Ansonsten beruht die Annahme einer Wirksamkeit von Lockdowns auf stark vereinfachenden Modellrechnungen, die Menschen mitsamt ihren sozialen Interaktionen reduzieren zu Bällen in einer Mischkugel (vgl. Ziehung der Lottozahlen) mit durchweg gleichen Eigenschaften. Populär wurde die Lockdown-Idee durch einen Artikel eines Bloggers und Industrie-Beraters (Tomas Pueyo, "The Hammer and the Dance"), der mit Epidemiologie beruflich ungefähr so viel zu tun hat wie ich oder du.


    soviel ich weiß, ist immer noch die Ansage, dass wir zu wenig Krankenhausbetten haben

    Ausgerechnet die DIVI argumentierte kürzlich mit dieser "Ansage" für eine Lockdown-Verlängerung. Und das vor dem Hintergrund, dass in 2020 (leicht zu merken) 20 Krankenhäuser geschlossen wurden und weitere auf der Abschussliste stehen. Die Auslastung liegt, soweit ich weiß, derzeit bei 70 bis 80 Prozent.


    Zur Situation der Klinkien im "Jahr der Pandemie" gab es neulich einen gut recherchierten Artikel auf Multipolar: https://multipolar-magazin.de/artikel/kliniken-2020


    Und ob es nicht eher so ist, dass die erste Welle im Frühjahr wegen der einsetzenden Sonneneinstrahlung "ge-flatted" wurde.

    Natürlich ist das so. Wir haben es bei "Corona" mit Viren zu tun, die aufgrund ihrer Fetthülle empfindlich gegen Austrocknung und gegen UV-Strahlung sind. Die dadurch bedingte Saisonalität hat auch Drosten vor genau einem Jahr in seinen ersten Podcast-Folgen erwähnt. Sehr spannend, dass er inzwischen zum Saisonalitätsleugner mutiert ist.

    Wann, verehrtes Publikum, wann?


    "[...] Jetzt geht es um Euch, liebes Publikum. Und ganz ehrlich, auch wenn Ihr mir das übel nehmen werdet: Ich bin, gelinde gesagt, enttäuscht – zumindest von einem Teil von Euch.

    Sind wir nichts anderes als Pausenclowns, die zwar das Leben stimulieren, wenn sie da sind, aber nicht wirklich fehlen, wenn sie weg sind?

    Sind wir ein netter Zeitvertreib, den man jetzt auf unbestimmte Zeit mit Serien ersetzen kann?

    Warum fordert ihr nicht die sofortige Wiederaufnahme aller Theaterstücke, die Wiederbelebung der Konzertszene, das öffnen aller Auftrittsorte?

    Was sind wir für Euch? Luxusgüter, die man für die Illusion von Sicherheit aufgibt?

    Ihr nehmt in Kauf, dass die ganze Kulturszene den Bach runter geht mit der Begründung, dadurch die Oma retten zu wollen. Habt Ihr sie mal gefragt, ob sie das will?

    Vielleicht möchten die Großeltern lieber ins Theater gehen und die neueste Inszenierung von Brechts „Mutter Courage“ sehen, anstatt in Isolation zu versauern und darauf zu warten, dass die Welt Corona-frei wird.

    Die Welt wird nie Corona-frei sein, genauso, wie der Mensch die Schwerkraft nicht abschaffen kann. Manche Dinge stehen nicht unter unserem Einfluss.

    Es genügt bei weitem nicht, mehr Geld für uns zu fordern, wie es die „Alarmstufe Rot“ tut. Das wird nicht reichen und ist zu kurz gedacht. Um zu überleben, brauchen wir mehr, es geht um geistige Nahrung, um Austausch, Kreativität und Ausdruck, es geht um die kulturelle DNA.

    Eines sei noch gesagt, dass wir uns nicht missverstehen. Wer generell Angst vor Krankheiten hat und in diesem speziellen Fall die Bedrohung durch einen Virus fürchtet, hat mein volles Verständnis. Jede Angst ist für den, der sie hat, real – völlig egal, ob es sich um eine objektive Bedrohung oder subjektive Furcht handelt. Nur sollte das eigene Narrativ nie zur Bewertungsskala für die Allgemeinheit werden.

    Auch verstehe ich, dass jeder seine eigene Aufwachgeschwindigkeit hat, aber lasst Euch nicht zu viel Zeit, denn wir stehen nicht ewig zur Verfügung. Fast ein Drittel meiner Kollegen aus der freien Szene hat ihre Berufung bereits an den Nagel gehängt, und es werden immer mehr, die das Rumkrebsen von einer Soforthilfe zur Nächsten satt haben und die Euer Schweigen als Zeichen dafür sehen, dass sie anscheinend nicht systemrelevant sind.

    Zeigt Ihnen, dass sie sich irren, sonst war’s das mit uns!


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    Jens Fischer Rodrian ist Musiker, Komponist, Produzent, Lyriker, freier Autor und Kreativdirektor der Blue Man Group. Nach vier instrumentalen Soloalben erschien 2017 sein erster Gedichtband „Sich kurz fassen — ach“, 2019 folgte das Spoken Word Album „Wahn & Sinn“. Für den Kurzfilm „Stiller Löwe“ bekam er auf dem renommierten Festival International du Film D‘Aubagne den Hauptpreis für die beste Musik. Von 2012 bis 2019 war er als Musiker live mit Konstantin Wecker zu hören. Seit 2017 tourt er mit seiner Konzertlesung WAHN & SINN durch den deutschsprachigen Raum. Seit 2020 ist er Mitglied der Partei dieBasis. Jens Fischer Rodrian lebt mit seiner Familie in Berlin. Weitere Informationen unter wahnundsinn.com."


    "Konzerte sind natürlich der Endgegner. Körper an Körper zu stehen und einem Künstler zuzujubeln, das wird bis nächstes Jahr bestimmt nicht funktionieren. Das ist meine persönliche Einschätzung"


    Smudo, Ex-Rapper („Die Fantastischen Vier“)

    Zunächst mal einen Gruß an Hannes. Habe bei Insta reingeschaut: Mir gefällt das coole, cleane Zeug mit dem Vibrato. So was kann ich überhaupt nicht (sondern nur laut und verzerrt... 8) ).

    Daher: Respekt! :thumbup:


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    Mich überrascht, wie gelassen die meisten Musiker immer noch sind. Wird schon wieder, irgendwann... wenn erstmal viele geimpft sind, oder so...


    Glaubt ihr das wirklich?


    Vor ziemlich genau einem Jahr, in der Zeit zwischen Mitte Februar und Mitte März, ist was passiert. Ein Schalter wurde umgelegt, nicht über Nacht, aber im Verlauf von zwei, vielleicht vier Wochen. Aus einem Virus, das Drosten in seinem ersten Podcast noch als ziemlich grippeähnlich beschreibt (hört da nochmal rein: https://www.ndr.de/nachrichten…angsamen,audio643822.html oder hier zum Lesen: https://www.ndr.de/nachrichten/info/coronaskript100.pdf ) wurde eine tödliche Bedrohung. Und aus uns - aus mir, meinen Bandkumpels, aus allen im Publikum - wurden potentielle Gefährder. Diese gilt es sich vom Leib zu halten, mit Abstand, Maske und am besten durch gar keinen Kontakt.


    Leute, Mitmusiker, das muss doch jedem klar sein: Solange wir uns von dieser Vorstellung nicht lösen, werden wir nie mehr in proppevollen Sälen oder Hallen spielen.


    Und ihr, das "liebe, liebe Publikum": Auch ihr werdet Konzerte, wenn überhaupt, dann nur noch als streng durchorganisierte (und sündhaft teure) Veranstaltungen erleben, im Auto sitzend oder mit 1,50 m Abstand zum Sitznachbarn. Vergesst den Pogo im Matsch von Wacken oder den live gespielten Blues zum Bier in der Altstadtkneipe: Ihr kommt dabei Leuten nah. Zu nah, sie könnten euch infizieren...


    Wir müssen dieses Denken loswerden, den Schalter wieder umlegen in die Normalposition, so wie das vor 2020 war: Ja, wenn mein Nachbar mich anhustet kann es passieren, dass ich mir was einfange. Aber das Risiko gehe ich ein, es ist mir 20, 40 oder 60 Jahre immer wieder mal passiert ohne schlimme Folgen. Und mal 'ne Grippe oder so ist normal, im Winter. (*)



    Die Impfung wird dabei nicht helfen, die nächste Mutation kommt bestimmt. Solche Viren verändern sich nun mal, das ist ihr Erfolgsrezept. Die viel wichtigere Immunität, nämlich die gegen die Angstmacherei, die findet in unseren Köpfen statt. Alles andere ergibt sich dann, auch der Widerstand gegen eine Politik, die sich verständlicherweise allzu schnell an das bequeme Durchregieren gewöhnt hat. Und damit übergebe ich an einen, der in Sachen Corona immer - und viel besser als ich - den richtigen Ton trifft:


    https://www.fluegel-und-pranke.de/zurueck-in-die-realitaet/

    Ich frag mich, ob man aus diesem "Wir müssen mit den VTlern und Querdenkern und Coronesleugnern reden" im TV eine Show machen kann: Ein übelst schlecht gelaunter, aggressiver Wissenschaftler widerlegt in jeder Episode einen Typen mit einer Theorie oder eine Leugnung oder so. Sowas wie eine Kochshow mit Gordon Ramsey.


    Da hat man dann den Diskurs, den Unterhaltungswert usw. und man bekommt ein Preisgeld!


    Harald Lesch hat das hin und wieder ein wenig vorgemacht in seiner Show.


    Schau mal Servus TV. Da machen sie das regelmäßig, aber ohne Preisgeld.


    Wobei man sagen muss: ein bisschen fies sind die Organisatoren der Show schon. Für die Rolle des übellaunigen Lockdownbefürworters suchen sie immer ausgesprochene Vollhonks aus. So wie zuletzt hier einen angeblichen Mathematiker.


    https://www.servustv.com/ein-j…ativen-zum-aktuellen-weg/


    Wenn er bei 35:43 vom exponentiellen Wachstum anfängt, das die Ösis angeblich wieder haben, dann wird es Zeit für eine kleine Übung in Medienkompetenz:


    https://mobile.twitter.com/Cor…tatus/1365914161348247556


    Was für ein peinlicher Mathematiker, der sich nicht für die Basis der Zahlen interessiert, mit denen er argumentiert.

    Lang, lang ist’s her, da kannte ich ein paar Burschen vom CVJM. Die standen eigentlich auf Metal, aber so was wie Black Sabbath war denen schon zu satanisch. Durften sie nicht. Der Ausweg für die waren dann christliche Metal-Bands wie Stryper. Die waren OK, aber trotzdem: ein Jammer, wenn man die Gitarre von Rhandy Rhodes nicht hören darf, weil sein Chef sich mit falsch herum aufgehängten Kreuzen schmückt. Ein Jammer - und eine Idiotie.


    Wie ich höre gibt’s das heute auch noch? Bands, die man aus irgendwelchen seltsamen Gründen nicht hören darf, obwohl sie geile Mucke machen?


    Ist mir scheissegal.



    „You can all fuck off today...“ War wohl irgendwas mit Trump. Oder Alt Right? Das Masken-Ding hat es dann wohl nicht besser gemacht nach Ansicht derjenigen, die gewisse Kultur canceln möchten. Aber wie gesagt, damals wie heute: Mir scheissegal. Es geht um Musik. Rockmusik. Was wäre die ohne Provokation?


    Naja, das Mittelalter sollte man eigentlich nicht als Argument missbrauchen, sondern ein bisschen konkreter werden.


    Geht’s denn noch konkreter als mit den Daten des Statistischen Bundesamtes und deren graphischer Aufbereitung?


    Worum es mir geht ist das: Man sollte so einen Spruch nicht einfach unhinterfragt übernehmen, nur weil er gut klingt und von Drosten stammt. Insbesondere in einer Diskussion, in der man durch den Gebrauch des viel naheliegenderen Grippevergleichs schnell mal (zu Unrecht) bei den Verharmlosern einsortiert wird.

    Ich bin ja froh um jeden, der den Streeck ein bisschen verteidigt. Und es stimmt, wir stünden heute anders da, wenn wir mehr auf ihn gehört hätten. Von daher sind Vorwürfe gegen ihn, dass manche seiner Prognosen nicht eingetroffen seien, tatsächlich fragwürdig.


    Streeck hat übrigens ein Buch geschrieben, war das schon mal Thema?

    Hotspot: Leben mit dem neuen Coronavirus“.


    Aber Stefan , bevor du das nächste Mal Drostens Pocken-Vergleich bemühst, mach doch mal eine kleine Medienkompetenzübung. Die Sterbezahlen, nach Altersgruppen sortiert, sind beim Statistischen Bundesamt verfügbar. Ich hatte das schon mehrfach verlinkt. Man braucht kein Abitur, um das ein bisschen graphisch aufzubereiten, und man sieht sofort: Wenn überhaupt, dann liegt ein Vergleich mit dem Grippejahr 2018 nahe.


    Der Mittelalter-Pocken-Vergleich ist zwar schön plakativ und einprägsam, aber auch schrecklich dumm, weil gar kein Aspekt der heutigen Lebensumstände irgendwie vergleichbar ist mit dem Mittelalter. Das gilt insbesondere natürlich für die Bereiche Medizin und Hygiene.


    Franz-Xaver Kroetz:



    Gerade 75 geworden (Risikogruppe) hat sich Baby Schimmerlos offenbar weder einschüchtern noch kaufen lassen.

    🙂👍

    Ich „like“ das mal, ohne den Inhalt zu kennen oder zu wissen, wie ihr euch dazu positioniert. So was hier...


    „Bill Gates sprach in München davon, neue Grundlagenimpfungen zu etablieren und Milliarden von Menschen in Wochenfrist auf Krankheiten zu testen.“


    ...macht mich ganz kirre. Will der größenwahnsinnige Software-Nerd eine Welt voller Hypochonder?


    P.S.

    Einen schönen Gruß an Juli Zeh!

    Wo wir gerade bei "Propaganda und Desinformation" waren: Empfehlenswertes Interview des Russenfunks mit dem Mediziner und Medizinsystem-Kritiker Paul Brandenburg:


    2/2


    Zitat

    Boris Reitschuster war viele Jahre Korrespondent des Focus in Moskau, seit Oktober 2020 ist er als Blogger BPK-Mitglied. Wenn er dort eine Frage stellt, nimmt er die schwarze Maske ab, obwohl man die hier ständig tragen muss. Diesen Montag wird das Kristina Dunz, Hauptstadt-Korrespondentin des Redaktionsnetzwerks Deutschland, zu viel. Er möge doch die Maske anbehalten. Erst reagiert Reitschuster nicht. Als er vom Podium aus ermahnt wird, mault er, die vorne hätten auch keine Maske auf. Er finde das "eine ungerechte Kommunikation, wenn die einen der Mimik beraubt sind und die anderen nicht". Die Maske setzt er dann doch auf. Unter Zwang sozusagen. Perfekte Ausbeute.


    Was dann passiert, könnte die BPK nachhaltig erschüttern. Reitschuster folgt der Korrespondentin Dunz nach der Pressekonferenz und filmt sie im vertraulichen Gespräch mit einem Sprecher des Gesundheitsministeriums. Der Sprecher fordert ihn auf, das zu lassen und die Bilder zu löschen. Reitschuster spießt das später in seinem Blog auf und widmet sich der Journalistin Dunz, die er als "langjährige Kanzleramtskorrespondentin und als solche nahe dran an der Kanzlerin" präsentiert. Die Leserschaft versteht. Dunz wird auf Twitter als "geistig behindert" beschimpft, es kommen Briefe. Ihre "Untertänigkeit" schreibt einer, sei "einfach widerwärtig".

    Tja. Derlei Vertraulichkeit zwischen Politikern und Journalisten, deren Job es eigentlich ist, den Politikern auf die Finger zu schauen, muss man nicht zwingend gut finden. Die SZ sieht das offenbar anders, wenn sie daraus so einen Aufreger macht. Aber nicht nur die SZ:


    Zitat

    Unter den Vereinsmitgliedern scheint die Zahl derer zu wachsen, die meinen, dass Boris Reitschuster spätestens seit den Vorfällen mit der Kollegin Dunz diese Grenze überschritten hat. Von einem "Showdown" ist die Rede. Der Blogger Tilo Jung etwa, der auch weiß, wie man Sprecher vorführt und damit vielen in der BPK auf die Nerven geht, hält Reitschuster für einen rechtspopulistischen Schwurbler. Das sei aber nicht das Entscheidende. "Das Entscheidende ist, dass er keinen Journalismus macht, sondern Desinformation und Propaganda", sagt Jung. Es sei auch ein großer Unterschied, ob jemand mit Journalismus Geld verdiene oder wie Reitschuster mit Desinformation Spenden auf seiner Webseite sammle.


    Ach, Tilo. Musste das sein? Du hast fraglos deine Verdienste, gerade im Rahmen der BPK, siehe weiter oben. Das mit den Spenden wäre unfreiwillig komisch, wenn dieser ganze Vorgang nicht so unendlich traurig wäre.


    Zitat

    Reitschuster bestreitet, der "Querdenker"-Szene oder der AfD nahezustehen. "Wenn man den Leuten gut zuhört und ihre Sorgen ernst nimmt, dann muss das nicht automatisch Populismus sein", sagt er. Aber er spricht auf Twitter von "Virus-Panikmache", bezeichnet Merkel, als "die beste Kanzlerin, die die politische Linke je hatte", und wettert gegen Kollegen, die am "Futtertrog der Regierung" hängen. Wenn Corona-Leugner vor dem Impfzentrum in Berlin aktiv und von der Polizei kontrolliert werden, folgt er ihrem Hilferuf, filmt ihre Rechtfertigung und stellt sie ins Netz. Muss man sich da wundern, wenn einem die Likes der Rechtspopulisten zufliegen?

    Provozieren und zurückrudern, die Grenzen des Sagbaren verschieben und dann so tun, als sei alles nicht so gemeint gewesen: Das ist das Prinzip, mit dem die AfD im Bundestag auftritt. Und ganz ähnlichen geht Reitschuster in der BPK vor.


    Damt ist das Urteil wohl gefällt. Dass Reitschuster aber der Einzige ist, der das Corona-Narrativ der Regierung kritisch hinterfragt, was dann zu ebenso absurden wie erhellenden Szenen führt wie hier schön dokumentiert, macht ihn nicht ganz zu Unrecht zum Shooting Star unter den "alternativen" Journalisten - obwohl auch er im Grunde nur Tilos Methode kopiert hat, mit anderen ideologischen Präferenzen.

    Das ist nicht so meins, aber wenn Du was gefunden hast, was Du gerne schaust, ist's doch auch gut.


    Ich ging davon aus, dass außer uns beiden noch ein paar andere hier lesen. Und auch wenn sie's nicht gerne zugeben: die aus der Nachbarkneipe schauen öfter mal durch die Gitterstäbe des Affenkäfigs hier rein. [Oder durch die Panzerglastür der Geschlossenen, da bin ich mir nicht so sicher... ;) ]


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    Zum Thema "Alternativmedien" hatte die SÜDDEUTSCHE am Wochenende ein interessantes Stück:


    1/2

    [...]

    Diese Geschichte handelt von der Verwundbarkeit der offenen Gesellschaft. Am Beispiel der Bundespressekonferenz zeigt sich gerade, wie schwierig der Umgang demokratischer Institutionen mit manchem Gegner ist. So sehen das mehrere aktuelle und ehemalige Sprecherinnen und Sprecher, die hier regelmäßig auf dem Podium sitzen oder gesessen haben. "Die BPK ist gekapert worden", heißt es aus diesem Kreis. Einige Journalisten und Blogger - vor allem die Namen Boris Reitschuster und Florian Warweg fallen da immer wieder - würden die Veranstaltung sehr erfolgreich als Bühne für Verschwörungsmythen und Fake News nutzen.


    Ein Montagmorgen im Februar. Die TV-Übertragung läuft, als in Reihe sechs des großen BPK-Saals an einem der Mikros das rote Lämpchen angeht. Einsatz Florian Warweg, Online-Chef von RT DE. Der deutschsprachige Ableger des Moskauer Senders, der als Russia Today bekannt geworden ist, wird vom hiesigen Inlandsgeheimdienst der Desinformation und Propaganda für Russland beschuldigt. Aufgerufen ist jetzt, was sonst, das Thema Russland, wo gerade in mehreren Städten Menschen für den zu Lagerhaft verurteilten Oppositionspolitiker Alexej Nawalny auf die Straße gegangen sind und viele von ihnen verhaftet wurden. Warweg, der in Tübingen Politikwissenschaften studiert hat und seit 2014 für RT arbeitet, legt ruhig und freundlich los. Allerdings nicht mit einer Frage, sondern mit einer Behauptung.


    Seines Wissens sei "die übergroße Mehrheit" nur wegen einer Ordnungswidrigkeit festgenommen und dann sofort wieder freigelassen worden, behauptet Warweg. Da die Bundesregierung die Freilassung von Verhafteten fordere, würde ihn von Vizeregierungssprecherin Martina Fietz interessieren: "Welche konkreten Zahlen liegen der Bundesregierung über am Samstag verhaftete und immer noch in Haft befindliche russische Staatsbürger vor?"


    Fietz wird die Zahl auf keinem der Zettel finden, die sie mitgebracht hat. Die Regierung hat keine Sprache für Warwegs Anliegen, bei dem es offensichtlich nicht darum geht, eine Information zu bekommen, sondern darum, die Sprecherin vorzuführen.

    "Vorführen" finde ich etwas zu scharf formuliert. Es ist bekannt, dass von den Spechern und Sprecherinnen der Bundesregierung meist nur ausweichende Antworten zu bekommen sind. Interessanter als die Antworten sind daher oft die Fragen. Einen, der dieses Prinzip erkannt und seine Fragetechnik daraufhin perfektioniert hat, lange vor Florian Warweg, kennen wir alle ganz gut. ;)


    Zitat

    Fietz schaut in ihre Unterlagen, aber sie findet darin keinen Halt. Sie kann nur "grundsätzlich sagen, dass die Bundesregierung die Entwicklung in Russland und den dortigen Umgang mit Oppositionspolitikern, Journalisten und der Zivilgesellschaft sehr genau und mit Sorge beobachtet". Damit hat Warweg schon alles, was er braucht. Wenig später wird bei Youtube ein kurzer Clip online gehen mit der Überschrift "BPK: Regierungssprecherin verurteilt Polizeigewalt - aber nur in Russland".

    Dieser Warweg!


    Zitat

    [...]

    Die BPK dient dem Informationsinteresse der demokratischen Öffentlichkeit. Der Pressefreiheit. Der Kontrolle der Bundesregierung. Sie wurde aber nicht gegründet, um Propagandainteressen zu dienen, weder denen von Wladimir Putin, um die sich Florian Warweg kümmert, noch denen der rechtpopulistischen "Querdenker"-Szene.


    Mit einer Maske, die an deren Demonstrationen erinnert, sitzt der Blogger Boris Reitschuster in der Bundespressekonferenz. Auf seinem schwarzen Mundnasenschutz ist ein weißes Kreuz abgebildet. Das soll wohl einen Maulkorb symbolisieren.


    Dabei redet Reitschuster hier, wann immer es geht. An einem Morgen im Januar etwa, als er gleich drei Corona-Experten vorführen will. Auf dem Podium sitzen RKI-Chef Lothar Wieler, Gesundheitsminister Jens Spahn und der Virologe Christian Drosten. Reitschusters Frage ist eher ein Vortrag. Die Weltgesundheitsorganisation WHO habe "explizit" vor falsch-positiven Ergebnissen von PCR-Tests gewarnt, behauptet er. Vor mangelnder Verlässlichkeit. Dabei habe die Bundesregierung doch immer gesagt, die seien sicher. Schließlich säßen wegen ihnen Hunderttausende in Quarantäne.


    Das ist die Geschichte. die auch Hans Jessen aufgreift (bei 33:35). Das war, bevor die SZ ihren Artikel gebracht hat - offenbar geht Reitschuster den "guten" Hauptstadtjournalisten schon länger auf den Keks.


    Zitat


    Drosten faltet die Hände vor dem Mund. Er kenne das Papier, sagt er. Da stehe im Prinzip nur der Hinweis an die Labore drin: "Bitte lest auch die Gebrauchsanweisung durch." Sonst nichts. Die WHO zweifle keineswegs an der generellen Aussagekraft der Tests. Auch die Weltgesundheitsorganisation selbst widerspricht vehement. Sie habe keine Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Tests, teilt ein Sprecher mit. Die seien der "Goldstandard" diagnostischer Testverfahren. Eine Notiz für Labormitarbeiter sei aus dem Kontext gerissen worden.


    Nun ja. Was wirklich drinsteht kann man hier nachlesen: https://web.archive.org/web/20…ice-for-ivd-users-2020-05


    Oder das Wichtigste daraus auf Deutsch im Spoiler:

    Gunnar Kaiser wäre auch bei mir in einer Auswahl derzeit relevanter Alternativ-Medien gelandet.


    Er gehört zu denjenigen, die einen Zusammenhang sehen zwischen Bestrebungen, einen Überwachungsstaat aufzubauen (Stichworte: ID2020, "The Known Traveller", "Great Reset") nach dem Vorbild Chinas (Social Credit System) und einer von Politik und Medien - mit tatkräftiger Unterstützung aus der Wissenschaft - zur globalen Pandemie hochgejazzten etwas stärkeren Grippewelle.


    Er hat zwar den für Libertäre typischen blinden Fleck beim Thema Marktliberalismus und tendiert - ebenfalls typisch - dazu, Staatskapitalismus mit Sozialismus zu verwechseln. Aber sonst ist er ein kluger Kerl und vor allem offen für vieles, ohne dass ihm eine ideologische Brille allzu sehr den klaren Blick auf die Dinge trübt. Ich höre ihm gerne zu. Vielleicht kann er in einer nicht allzu fernen Zukunft, wenn man für freie Meinungsäußerung auch bei uns riskiert, in Knast oder Klapse zu landen - oder man einfach keinen Zugang zu den Mediatären mehr findet und somit kein Gehör - mal ein paar politisch unbedenkliche Hörbücher einsprechen. Die Stimme dafür hätte er.


    Wer genau hinschaut, der sieht bei ihm im Hintergrund fast immer ein Saiteninstrument. Auch das nimmt mich natürlich für ihn ein.


    Im nachfolgenden Video referiert er über ein Essay von Erich Fromm zum Thema "Ungehorsam". Danach liest er einen Text seines Kumpels Milosz Matuscheck, mit dem er eine Initaitive gegen die "Cancel Culture" am Laufen hat. Dann telefoniert er mit einem Angehörigen der Bundeswehr und danach mit einer jungen Pianistin, die beide auf unterschiedliche Art von den Corona-Maßnahmen betroffen sind und sich ihre Gedanken darüber machen.