Beiträge von Bueroarbeiterhaende

    Ich habe mir lange überlegt, ob ich nochmal antworten soll. Allerdings ist mir das Thema nicht aus dem Kopf gegangen und ich muss es mir von der Seele schreiben.

    Genau wie bei der Impfung sollte auch bei der Triage um Akzeptanz und Transparenz geworben werden. Es geht um das Leben unserer Angehörigen und vielleicht um unser eigenes.

    Bei einem Massenunfall muss innerhalb von Sekunden über Leben und Tod entschieden werden, bei einem Krankheitsverlauf, wie bei der Coronainfektion, stellen sich die Verschlimmerung über Tagen manchmal wohl auch Stunden ein. Die Situation ist also eine andere, deshalb sollte auch die Beurteilung eine andere sein. Dem medizinischen Personal sollte neben der sicherlich belastenden Entscheidungsfindung, nicht auch die juristische aufgelegt werden. Vor strafrechtlichen Konzequenzen entscheidet letztlich ein Richter. Die Triage- Richtlinien reichen formal nicht aus, um in verfassungsrechtliche Grundrechte einzugreifen. Das Personal ist aber gehalten sich daran zu orientieren, und wird juristisch alleine gelassen. Es wird ihm also mehr zugemutet, als dem Gesetzgeber erlaubt ist.

    Ich möchte keineswegs den Ärzten/innen und den Pflegenden die Kompetenz absprechen medizinische Entscheidungen zu treffen, jedoch könnte ein Gesetz Rahmenbedingungen festlegen, ab wann ein Krankenhaus den Triage-Notstand ausrufen darf, z.B. Belegungszahlen, Personalschlüssel, Verlegungsmöglichkeiten. Auch könnte die Haftung geregelt werden. Dadurch wird Willkür vermieden, Verantwortung geteilt und Handlungen gerechtfertigt. Zudem wird es bei der Coronainfektion noch keine medizinischen Standard geben und auch evidenzbasierte Studien zur Behandlung sind eher rar, da auch geeignete Medikamente fehlen.

    Durch den zeitlichen Verlauf der Infektion könnten auch Angehörige und Ethikkommissionen beigezogen werden, so kann mehr Transparenz und Verständnis bei solch schweren Entscheidungen erreicht werden. Das Personal am Patienten könnte sich aber auf die medizinische Versorgung, Entwicklung und Beurteilung konzentrieren.

    Die rechtlich Absicherung könnte zudem einen Nebeneffekt auf das Gesundheitssystem haben. Da man dem medizinischen Personal die Richtigkeit ihres Tuns vermittelt, schafft man eine höhere Zufriedenheit bei der Arbeit. Neben besserer Bezahlung und moderneren Arbeitsbedingungen könnte es die Attraktivität der Berufe steigern. (Ja es ist Weihnachten und man darf sich Sachen wünschen).

    Am Ende haben wir die Situation noch nicht und es wird sich zeigen, ob es dazu kommt. Jedoch ist das Thema jetzt im Gespräch. Überstehen wir die Krise ohne in eine Triage-Notlage zu kommen, wird darüber nur noch in Fachkreisen geredet. Es gilt jedoch als ausgemacht, dass es zu weiteren Pandemien und Epidemien kommen wird, und dann wurde die Zeit wieder nicht genutzt.

    Ich wünsche euch schöne Festtage und Gesundheit

    Die Triage an sich wird nicht obsolet, nur weil wir die Versorgung verbessern. Grundsätzlich liegt ein Unterschied zwischen einem Massenunfall oder einer Pandemie. Mir geht es um zwei Dinge: 1. Die gesetzliche Regelung um Bedingungen zu definieren, wann eine Situation der Triage vorliegt und medizinisches Personal nicht im Interessenkonflikt und rechtlicher Grauzone zurück lässt.

    2. Wir zucken alle zusammen, wenn wir entscheiden müssten, wen wir überleben lassen würden. Nach meiner Erfahrung ist es bei Ärzten nicht anders. Pauschale Argumente, einen 30-jährigen Menschen eher zu retten als einen älteren Menschen, ist verfehlt und willkürlich. Hier setzt die eigendliche Triage an, hier muss vor Ort und im Einzelfall entscheiden werden. Dafür gibt es Empfehlungen der Ethikkommissionen und das Sichtungsschema. U.U. Kann es ja dazukommen, dass entscheiden wird nur leicht und mittelschwer Erkrankte behandelt werden, da hier ein höhere Erfolg-,sprich Heilungschance besteht.

    Wir müssen und klar sein das Triage bedeutet, Wahrscheinlichkeiten des Überlebens abzuwägen.

    Hallo Michael,

    Ich gebe dir Recht, dass der Einzelfall von einem Arzt entschieden werden muss. Allerdings gibt es ihnen Unterschied, ob eine Katastrophe oder eine katastrophale Lage vorliegt. In einer Katastrophe muss sofort -meist vor Ort- über Behandlungserfolg entscheiden werden. Bei einer Entscheidung Beatmung oder nicht hat man meist noch etwas Zeit.

    Nimmt ein Arzt einen Patienten von der Beatmung, der dann stirbt und hat er/sie keine Grundlage dafür, würde ich es juristisch als Totschlag einordnen.

    Deshalb kann nur ein Gesetz festlegen, unter welchen Umständen so eine Handlung gerechtfertigt ist, z.B. Überbelgung, keine Verlegungsmöglichkeiten und mangelndes Personal. Ich denke in Italien lag all dies vor, dennoch ist mir nicht bekannt, ob es zu einem juristischen Nachspiel kommen wird. Es muss Transparenz herrschen, um Entscheidungen nachvollziehen zu können. Es muss den Angehörigen auch klar sein, was gemacht worden ist. Die Einzelentscheidungen bleibt dann immer noch beim Arzt, aber der Rahmen in dem sie getroffen werden, sollte gesetzlich geregelt werden.

    Hi ,

    Zunächst möchte ich mich für meinen missglückten Tweet bei Jenny entschuldigen. Mir ging jedoch die Hutschnur hoch, als ich ihr Kommentar gehört habe, dass bei der Beatmung einen 30-jährigen Mensch immer einem älteren Menschen vorzuziehen sei. Ich vermute, dass Jenny das Trolly-Problem kennt. Ein Leben ist nie mehr Wert als ein anderes. Auch ein Eingriff in das Recht auf Leben ist möglich, wie es die Debatte über Abtreibung immer wieder beweist. Mich haben ihre Aussagen schockiert, da auch wenig Gegenwehr von Stefan kam, obwohl er schon ahnte, dass etwas nicht richtig an Jenny’s Argumentation war. Der Hypokritische Eid wird in Deutschland nicht abgeleistet, dafür habe wir die Ethikkommissionen. Eine deutschlandweite Einheitlichkeit wäre wünschenswert und das geht meiner Ansicht, nur über eine gesetzliche Regelung nach Vorschlägen einer Ethikkommission. Im Moment wird kein Arzt die Beatmung beenden um “Platz” für einen anderen Patienten zu schaffen.