Beiträge von SozialesBrot

    History has Begun :

    Ihr sprecht diese metaphysischen Geschichtskonstrukte an mit Oswald Spengler usw. Aber dazu gehört auch Francis Fukuyama und ein wenig auch diese Buch hier.

    Der Punkt mit diesen Metaerzählungen ist, dass man sie einfach nicht los bekommt, sondern man findet immer wieder jemanden, der den "Auftieg und Fall" postuliert oder sagt, es ist alles immer dasselbe oder es gebe ein bestimmtes Ziel der Geschichte....

    Man wird die einfach nicht los. Beispiele wie "make america great" oder auch wenn von "Zivilisationskrankheiten" gesprochen wird.


    Ich finde das ist auch ein wenig das Müßige an dem Buch. Geschichte beginnt jetzt? Warum genau jetzt? Begann die nicht letzte Woche? oder als Hannibal über die Alpen zog?

    Es gibt auch andere Erzählungen, wo Geschichte erst noch stattfinden wird wie bei Walter Benjamin, also Marxismus oder Christentum.

    Es ist scharf geschrieben - vielleicht weil es sich nicht um historische Realitäten kümmert oder meint kümmern zu müssen (so ähnlich wie Spengler damals auch) . Die materielle Lage für ein Großteil der amerikanischen Bevölkerung ist wirklich nicht sehr gut und das Leid, das erzeugt wird, ist mindestens genauso real wie jede FIktion. Bzw. wenn man es mit seinem Konstruktivismus übertreibt, dann landet man mit einer Pillenüberdosis in Russland wie JB Peterson demonstriert hat. Was wohl ein Hummer dazu sagen würde.


    Also, um die steinharte materielle Realität hier mal anzumerken:

    Ist dieser Wettlauf zwischen USA und China nicht ein wenig zu konstruiert? Benjamin R Barbar schrieb, dass die USA meint, sie seinen Independent, also unabhängig vom Rest der Welt (zum einen geographisch per Ozeane, zum anderen ideologisch und wirtschaftlich). Stattdessen sind sie doch eher Interdepent: es gibt eine hohe Verflechtung mit dem Rest der Welt auf politischer, wirtschaftlicher, infrastruktureller und sonst wie auch immer gearteten Ebene, sodass das, was hier passiert dort drüben ebenso Auswirkungen hat und das, was drüben passiert hier ebenso. Bei China ist es nicht anders. Bzw. China wird nicht einfach so und ohne westliches Zutun Supermacht, sondern der Westen profitiert davon ganz bestimmt auch. (Wobei der Westen als Bezeichnung ja auch so eine Sache ist...) Die USA hat ein riesigen Absatzmarkt und hohe Importe - China dagegen hohe Exporte: dort kann billig produziert werden. Wenn die Wirtschaft der USA zusammenbricht, bricht auch ein großer Teil des Exports von China ein. Es macht aus dieser Sicht kein Sinn, die Staaten zu bekämpfen. Und kommen nicht sowieso große Software und Hardware-Herrsteller schon längst aus Japen und Ostasien?

    Sowieso: Offene Konflikte sind für China nicht unbedingt hilfreich, vielleicht auch kein Kuschelkurs, aber so ein angespannter Frieden vielleicht, aber den gab es schon immer.

    Es geht darum, die Machtverhältnisse zu sichern und nicht wie ein halbwüchsiger wild umsich zu schlagen.

    Aber der Punkt ist: genau deswegen ist es so belächelbar, wenn von "Aufstieg und Fall" oder der "Höhepunkt" einer Kultur oder "Jetzt beginnt/endet Geschichte". Die Perspektive wird unterkomplex und man beruft sich dann auf Fiktion, weil sonst müsste man Konstruktionen ja wirklich aufgeben und muss sich vielleicht mit den wirklich Leidtragenden auseinander setzen.

    Wie kann man jemandem neutral vermitteln, daß er schlechte Musik hört?

    So zumindest hatte ich die Frage verstanden.

    Kurze Antwort: gar nicht.

    Mir fehlt da auch ein Bourdieu-ische Reflexion über das, was man den "besseren Geschmack" nennen könnte. Also, hier feine Unterschiede usw.

    Gut und schlecht.... ich denk, man könnte da auch schnell zu so einer Art zivilisationskritischen Perspektive kommen: wer wagt es, das eine höher zu stellen als das andere?


    Ich denk, wenn einen was gefällt und man will es weiter geben, dann muss man den Modus des Erzählens und eben der Weitergabe richtig treffen. Und selbst dann ist nicht einmal sicher, ob der andere sich den Geschmack aneignet oder ablehnt.


    Ganz ehrlich, auch weil ihr das nochmal angesprochen habt mit der nicht-beachtung des Individuums:


    Ich will, dass mir die Wirksamkeit des Lockdowns irgendwie statistisch nochmal bestätigt wird. Die Disziplin, die hier an den Tag gelegt wird, wird eigentlich mathematisch argumentiert: soviel ich weiß, ist immer noch die Ansage, dass wir zu wenig Krankenhausbetten haben (natürlich vermindert man auch Leid, aber oft ist das eine individuelle Abwägung und selbst wenn kann man Leidvermeidung anders regeln).


    Das Problem ist immer noch: niemand will Geld für das Gesundheitssystem ausgeben und ein wirklichen Plan aufstellen und stattdessen gibt es Disziplinierungsmaßnahmen und Handlungen, die für eine Woche mal aufsehen erregen. Das ist wie in der Wirtschaft und am Ende wird man damit auch noch Bundeskanzler.


    Aber eben diese Disziplin ist eben fraglich, ob es wirklich dieser ausschlaggebende Faktor ist oder ob das Virus so aggressiv ist, dass das kaum ein Unterschied macht (gerade wenn man weiterhin Lohnarbeiten darf). Und ob es nicht eher so ist, dass die erste Welle im Frühjahr wegen der einsetzenden Sonneneinstrahlung "ge-flatted" wurde. So wie vlt. jetzt diese hier auch.

    Geht’s denn noch konkreter als mit den Daten des Statistischen Bundesamtes und deren graphischer Aufbereitung?


    Worum es mir geht ist das: Man sollte so einen Spruch nicht einfach unhinterfragt übernehmen, nur weil er gut klingt und von Drosten stammt. Insbesondere in einer Diskussion, in der man durch den Gebrauch des viel naheliegenderen Grippevergleichs schnell mal (zu Unrecht) bei den Verharmlosern einsortiert wird.

    Ist mir egal, darum ging es mir erstmal nicht.

    Der Mittelalter-Pocken-Vergleich ist zwar schön plakativ und einprägsam, aber auch schrecklich dumm, weil gar kein Aspekt der heutigen Lebensumstände irgendwie vergleichbar ist mit dem Mittelalter. Das gilt insbesondere natürlich für die Bereiche Medizin und Hygiene.

    Naja, das Mittelalter sollte man eigentlich nicht als Argument missbrauchen, sondern ein bisschen konkreter werden.


    (Die Hygiene-maßnahmen von heute sind dieselben wie die, die im Mittelalter herausgefunden wurden. Quarantäne kommt aus dem Mittelalter, 'Sozial distancing' ebenso.


    Damals gab es total abwegige, religiös überhöhte Erklärungsansätze, heute ebenso.

    Man siehe nur auf Coronaleugnungen und Herdenimmunitäts-propgandisten. Mal ganz davon abgesehen wird durchaus der Kapitalismus als die Wurzel dieses Übels als Erklärung rangenommen, was mal mehr und mal weniger stimmt.


    Die Technik ist eine andere im Sinne von Beatmungsgeräten und Impfstoff. Ersteres ist aber rein körperlich-seelisch eine kleine Hölle und auf zweiteres wartet man wie auf den Messias.)


    Wenn eine Krankheit wie die Pockenpest ausbrechen würde, dann könnte es durchaus einen ähnlichen Effekt haben wie im Mittelalter.


    Man soll sich nicht anmaßen, man sei weiter als damals, weil die Epoche des MA ist erstmal ein Konstrukt, das Europa exklusiv ist: es gab kein arabisches MA (ist ein Buchtitel, google it!).



    (ab der 2. Hälfte des Videos, Universityise are useless)

    Bei Wünschelrutenlaufen und Parawissenschaften kam mir eig der Gedanke nach Geisterjägern und es gibt eine sehr interessante Interpreation davon hier:


    https://www.youtube.com/watch?v=BhCpylgZ2Mo


    Geistererscheinungen werden auf Psych-soziale Dynamiken zurückgeführt. Hier das Beispiel: jemand sieht, dass eine Jalousie anfängt von selbst zu brennen - das Wort "Jalousie" wird mit Eifersucht in Verbindung gesetzt ("Jalousy"/franz. 'Jalousie") und es war wohl wirklich so dass die Person, die das berichtet hat, eifersüchtig war. Also das, was gesehen wird, wird auf eine psychanalytischen, geistigen Ebene zurückgeführt.


    Sehr viele Geistergeschichten haben ja auch den Ursprung darin, dass etwas verdrängt wurde und nach Jahren wieder 'an die Oberfläche' kommt und es anfängt zu spuken.

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    Ist mit phatischer Kommunikation und VTs nicht eigentlich Hartmut Rosas Resonanz-Theorie gemeint?

    Bzw. funktioniert die da nicht auch fast genauso?

    Ich frag mich, ob man aus diesem "Wir müssen mit den VTlern und Querdenkern und Coronesleugnern reden" im TV eine Show machen kann: Ein übelst schlecht gelaunter, aggressiver Wissenschaftler widerlegt in jeder Episode einen Typen mit einer Theorie oder eine Leugnung oder so. Sowas wie eine Kochshow mit Gordon Ramsey.


    Da hat man dann den Diskurs, den Unterhaltungswert usw. und man bekommt ein Preisgeld!


    Harald Lesch hat das hin und wieder ein wenig vorgemacht in seiner Show.

    Nein. Sie lügen, wie gedruckt.

    Söder am besten, wenn er " bekennt " gebetet zu haben ( an der Stelle bin ich gerade), interessiert ihn ausschließlich sein mediales Bild, welches ihm Karriere und Kanzlerschaft sichert.

    Dachte eher an Lauterbach oder Streeck, der meist mit seinen Voraussagen (nicht die Ampel!) eindrucksvoll falsch lag. Lauterbach ist die Hassfigur überhaupt.


    Drosten hat auch seine Agenda mit den Medien und Karrikaturen über ihn usw.

    Ganz unten auf der Seite ist noch ein Button auffindbar, wo "Zur Diskussion" draufsteht.

    Das hier:

    https://www.academia.edu/44202…chiffbruch_ohne_Zuschauer


    ?

    Zu dem Philosophie-Teil ist hier nochmal eine Probe für Philosophie, die nichts neues zu bieten hat:

    https://twitter.com/KlausW_Poh…tatus/1355122044841635842


    Es kommt kaum etwas herum. Ich hab gehört, der Virus mache halt, dass die breite Bevölkerung sich auch ein wenig mehr philosophischer mit der Welt auseinandersetze. Also, es ist eine Popularisierung von weltanschaulichen Gedanken oder Anreize dazu, die nicht unbedingt in den akademischen Sphären stattfinden. Bzw. ein bisschen mehr Ideologiekritik oder Bewegen außerhalb von normalen (ökonomischen) Pfaden, wenn auch eben nichts neues.

    https://www.deutschlandfunkkul…ml?dram:article_id=491381

    Zitat

    „So haben selbst leistungsstarke Kinder plötzlich Sorgen, sie könnten ihr Aufgabenpensum nicht schaffen, weil der klar begrenzte Lernrahmen fehlt, den die Schule als Unterrichtsort herstellt“, schreibt Hannah Bethke. „Manche Kinder empfinden das als Scheitern, ohne dass sie es so ausdrücken könnten.“

    https://www.deutschlandfunkkul…ml?dram:article_id=488292

    https://www.deutschlandfunkkul…ml?dram:article_id=491291

    Jet

    Wie Gojira schon schrieb: die Berliner Mauer und der Zerfall des Ostblocks hat die erfolgreiche Ideologie auserkohren.


    Die Phasen sind mir sehr komisch benannt: 'Demoralisieren' heißt eigentlich eher 'Moralisieren' in dem man auf zeigt, dass die herrschende Ideologie gegen ihre eigene Regeln verstößt. usw.

    Jeder der ideologische verblendeten Studenten war eben auch mit den Massakern von Mao und dem Der Archipel Gulag konfrontiert und jeder Student, der denken kann, sollte es komisch vorkommen, wenn man mit zweierlei Maß messen solle.


    Dann stimmt die zeitliche Abfolge aus linker Sicht eigentlich eher weniger: die 80er waren die Zeit, wo die rechts-liberalen (neokonservative) an die Macht kamen mit Reagan und Thratcher und überhaupt erst das Zeitalter des Neoliberalismus einleutete. Das ist 40 Jahre her, ich warte immer noch auf die sozialistische Revolution!


    Was passiert ist, ist, dass traditionelle Rollenmodelle aufgebrochen sind und Feminismus daher kam und das vlt. alte Ordnungen destabilisierte. Die Hippies in den 60ern waren insgesamt im Nachhinein recht harmlos und sind heute eben in den Chefetagen und Institutionen, haben aber damit auch eher das System gestützt und eben die Führungsschicht ein wenig ausgewechselt.


    Aber es gab auch Gegentendenzen, die sich bis heute halten, wie der Patriot Act nach 9/11 und sowieso ist Trump doch eine ideologische Antwort darauf. Also, wenn es eine Demoralisierung und Manipulation gegeben haben sollte, dann hat der KGB die Rednecks und Republikaner übersehen und war allgemein reichlich ineffizient. Eher glaubt man QAnon und VTs als sich dem Kommunismus zu bekennen (oder, was auch vor kurzem war: sozial-demokratische Ideen werden zwar angenommen, aber als Sieg des Kapitalismus gefeiert)


    Wenn es Krisen gab, dann wurden sie, wie Gojira schon sagte, eher dafür verwendet, um das System noch weiter zu stützen und auszubauen. Was nie destablisiert wurde, ist die Marktwirtschaft oder die kapitalistische Produktionsweise an sich.


    Ich denk ein Stück weit ist das Gespräch Panikmache oder Hysterisierung usw.

    Vielleicht kann man das spiegeln mit der Entwicklung der russischen Bevölkerung und gucken, ob es da eher zu trifft. Also so Demoralisierung usw. sehe ich da eben auch und auch gezielter gegen die Spitze.

    "https://twitter.com/RubenGerczi/status/1350473235779956741"


    https://www.spiegel.de/panoram…cb-414d-a215-f0e296376a89

    Der Ehrlichkeit halber muss man sagen: höchstwahrscheinlich hängen diese drei Bezugspunkte: Alter, Coronainzidenz, Sozialverhalten in der Rentnerrepublik zusammen. Aber man kann eben das Sozialverhalten und dieses Habitusargument auch aufbauschen und dann auf den Ossi rauf hauen.

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    Haha, ein westdeutscher Wissenschaftler der gehänselt wird...du bist so durchschaubar in deinen Mimimi Reflexen, von Blindheit geschlagen.

    Das ist gehässig, wie eben auch diese Diskussion insgesamt ziemlich gehässig ist.

    Zitat

    Nein, jemand der in Brown Under (Bautzen) großgeworden ist, in Dresden studiert hat und bis auf 2 Jahre Hamburg auch dort arbeitet, der genug Geschichten von Freunden und Bekannten und Verwandten hat, die von Nazis bedroht und zusammengeschlagen wurden. Der in entsprechenden Jugendclubs unterwegs war, der die Lokal- und Landespolitik ziemlich genau verfolgt, das Verharmlosen von REchtsextremen seit Jahren, die aktive Arbeit gegen linksorientierte Jugendkultur, den ins menschenverachtende abdriftende Ton in den Social Media Kommentarspalten der Lokalpresse sieht, mittlerweile natürlich stark gefiltert, sich die Boomer-Scheisse am Frühstückstisch anhören muss, das Gelächter über Schwulenwitze, Judenwitze, Maximalpigmentierte, Angela Merkel, die fette Claudia Roth und so weiter und so fort...und nein, nicht an der Hauptschule sondern in einem börsennotierten Unternehmen. Und nein, ich bin damit nicht alleine, sondern höre genau das von den meisten Leuten die in Unternehmen arbeiten, wo vornehmlich die GEneration 50+ den Ton angibt. Es gilt nicht für den direkten Wissenschaftsbetrieb (Wobei ich wiederum jemanden kenne der in der Uni-Werkstatt arbeite und bei dem viele Kollegen ungefähr genauso wie bei mir sind, nur sogar etwas jünger)...

    Wie gesagt, es ist eine ziemlich herablassende und gehässige Diskussion. Ein Appell muss sein, dass man vorsichtig sein sollte und hier nicht mit moralische Urteile vermischen sollte.


    Bis auf das mit den Nazis , findet man sowas auch in Bayern und im Gegensatz zu einem 'sächsischen Exzeptionalismus' ist der bayrische Exzeptionalismus eben wirklich ein Ding. Wissenschaftsfeindlichkeit findet man auch in 711-Querdenken-Stuttgart. Attila Hildmann oder Michael Wendler kommen ja auch nicht ausm Osten. Verschiedene Experten und gar Stefan haben zwischendurch auch die ein oder andere Fehleinschätzung gemacht, wo man vielleicht das eine oder andere Interesse wittert. Die Wirtschaft wehrt sich ja bis jetzt erfolgreich, nicht völlig dicht zu machen, weil sonst wäre das ja wie China oder so (ich unterstell da auch gerne, dass es selbst da nicht mal um wirtschaftlichen Profit geht, sondern es einfach prätentiöser Macht- und Hierarchiewille ist, der die Menschen an ihren Büros kettet). Man erinnere sich nur mal an die Heinsberg-studie. Warum sollen Sachsen jetzt die schlechteren Menschen sein? bzw. warum sollen sie die besseren Menschen sein? Bspw. die Frau auf dem Parkplatz, wo dann nochmal darauf hingewiesen wird: eigentlich müsste sie eine Makse tragen. Würde wirklich, selbst bei Maskenpflicht, jeder darauf achten und pochen unter freien Himmel jetzt den Mundmieffang aufzusetzen? War es nicht vielleicht ein blöder Augenbilck? Wo ist der Zweifel für die Angeklagte? Sind sie nicht offener, wenn sie protestieren, weil ihnen etwas Freiheit (ja ich, weiß, ist jetzt sehr überzogen) wichtiger ist, als das Risiko krank zu werden? Andere gründen dafür Telegramgruppen und würgen sich dort darüber aus. Spricht nicht etwas Staatstragendes daraus, zu sagen, dass das die im Osten die anderen sind?


    Der kulturelle, wirtschaftliche, politische Bruch zwischen Ost und West ist eben nicht überwunden, wie gesagt. Man kann nicht sagen "so wir sind jetzt 30 Jahre nach Mauerfall, also ist das jetzt auch erledigt" und deswegen sind sie voll und ganz selbst Schuld an ihrer Miserie insgesamt. Die historische Ausgangslage sind grundlegend andere und einen Frust gegen den Westen, gegen die Politik und Markus Söder zu hegen, gehört zum guten Ton - aber wie gesagt: ich wette, dass es in neoliberalen Strukturen jeder ein klein bisschen elitär, exzeptional ist in seinem Drang zur Abgrenzung gegen 'die da Oben'. Es geht in marktorientierten Gesellschaften auch nicht um Wahrheit, sondern um dass, was der Markt durch Angebot und Nachfrage so nach oben spühlt.


    Der Habitusbegriff, wie in Bourdieu geprägt hat, hat eigentlich einen sehr fatalistischen Anklang: es reicht meist nicht ein Menschenleben, um seinen Habitus zu überwinden. Man wird ihn auf ewig mit sich weitertragen und weiter geben. Und liegt auch eine größere Wahrheit darin, wenn die Frau recht hilflos sagt 'aber wir schützen uns immer' - jeder Form von Souveränität in dieser Krise kann Heuchelei unterstellt werden. Söder weiß eben auch nicht, ob das alles gut wird, aber er inszeniert sich so als wüsste er was er tut. Bourdieu hat ja auch nicht nur die 'unten' gemeint, die einen Habitus an den Tag legen, sondern eben auch die Eliten und Akademiker und deren Urteile. Hier hab ich immer diese Korrelation vor Augen: wer im Westen aufgewachsen ist, neigt eher zu narzisstischen Persönlichkeitszügen - also, eher in Richtung Trump, eher in Richtung Schuldzuweisung und Schuldabweisung von sich selbst.

    Ganz aktuell rausgekommen, Deutschland in Karten. Man kann eine Ost-West-Differenz und Benachteiligung der neuen Bundesländer feststellen (Bsp. ist das verfügbare Einkommen privater Haushalte für Konsum usw. im Osten konsequent unter 20%).


    https://www.deutschlandatlas.b…1A1EE18D76AA7.internet461


    Übrigens kann man sich mal die Karte mit den Altersgruppen ansehen: dann sieht man, dass in Sachsen und Thüringen, (also wo die Coronahotspots sind) meist mehr als 27% der Bevölkerung über 65 sind. Mein Idee wäre - neben unbedachten Coronaschutz, weil Habitus oder so - dass die Coronaerkrankungen in diesen Regionen wegen des hohen Durchschnittsalters einen schwereren Verlauf haben und deswegen eher gemeldet werden (ich glaube, es wäre naiv zu sagen, Erwerbstätige werden seltener krank, eher melden sie sich seltener krank und scheuen den Arzt und Krankenhäuser wie der Teufel das Weihwasser in unserer Leistungsgesellschaft. Keime in Büros sind wahnsinnig ansteckend).